Nach Anschlag auf Friedensdemo

Kurdenkonflikt: Türkische Gemeinde warnt vor Gewalt

BERLIN. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, hat vor gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden in der Bundesrepublik gewarnt. „Sobald in der Türkei etwas passiert, gehen die Leute auf die Straße. Und so wie die Stimmung jetzt gerade in der Türkei ist, befürchte ich eine weitere Eskalation auch hier“, sagte er der Berliner Zeitung.

„Ich beobachte, daß in sozialen Medien sehr schnell von allen Seiten zu Demonstrationen aufgerufen wird, die gar nicht genehmigt sind. Und sowohl auf türkischer als auch auf kurdischer Seite entwickeln sich verschiedene Gruppierungen“, sagte er dem Blatt. Die Polarisierung in Deutschland habe mit der Präsidentschaft des amtierenden türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan begonnen.

Zahlreiche Anschläge auf Oppositionsparteien

Am Samstag waren bei einem Bombenanschlag auf eine Friedensdemonstration kurdischer Oppositioneller in Ankara 97 Menschen getötet worden. Mehr als 500 Personen wurden verletzt. Die türkische Regierung vermutet den „Islamischen Staat“ hinter den Anschlägen. Regierungsnahe türkische Medien berichteten, die Täter hätten sich der Terrormiliz angeschlossen und dort den Bau von Bomben gelernt.

Vor dem Hintergrund der Parlamentswahlen am 1. November gilt die politische Lage in der Türkei als angespannt. Der Anschlag ist der dritte Vorfall in diesem Jahr, bei dem Anhänger der kurdischen Oppositionspartei HDP getötet wurden. Am 5. Juni verübten Unbekannte einen Sprengstoffanschlag auf eine Wahlkundgebung der HDP in Diyarbakir. In Suruç, an der Grenze zum Irak, tötete ein Selbstmordattentäter 30 Menschen während einer Kundgebung linksgerichteter türkischer und kurdischer Gruppen. (fl)

Kurden in München demonstrieren gegen die Gewalt in Ankara Foto: picture alliance/Pacific Press Agency

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