Jörg Meuthen
Jörg Meuthen Foto: dpa
Streit nach Rede

Parteichef Meuthen: Höcke schadet der AfD

BERLIN. Der AfD-Bundesvorstand hat den Thüringer Landes- und Fraktionschef Björn Höcke zu einem Gespräch über dessen Thesen zum Reproduktionsverhalten von Afrikanern vorgeladen. Eine formelle Rüge erteilte das Parteigremium jedoch nicht. AfD-Sprecher Jörg Meuthen nannte die Äußerungen Höckes nach dem Treffen „indiskutabel“.

„Seine Ausführungen sind sachlich unsinnig, entbehren wissenschaftlicher Substanz und laden zu Fehldeutungen als rassistische Aussagen geradezu ein“, betonte Meuthen, der auch Sprecher der AfD in Baden-Württemberg ist. „Die Äußerungen sind eine inhaltliche wie politische Torheit.“

Meuthen empfahl Höcke „dringend, in sich zu gehen und sich in seinen öffentlichen Auftritten künftig deutlich zu mäßigen“. Es schade „dem Ansehen unserer Partei, mit solchen Aussagen in Verbindung gebracht zu werden“, kritisierte Meuthen. Zudem gefährde Höcke die „nach dem Essener Parteitag im Juli zurückgewonnene Einheit der Partei“. Dies könne nicht im Interesse irgendeines Parteimitgliedes sein.

Unmut in Rheinland-Pfalz

Auch andere Bundesvorstandsmitglieder distanzierten sich von den Äußerungen. „Ich halte die Äußerungen für inakzeptabel“, sagte Beisitzerin Alice Weidel der JUNGEN FREIHEIT. Der rheinland-pfälzische Landeschef Uwe Junge, der im kommenden Jahr Landtagswahlen bestreitet, betonte: „Ich teile die in Rede stehenden Äußerungen von Björn Höcke in keiner Weise.“

Höckes Thesen seien „wissenschaftlich wie auch im Zusammenhang mit der Asylpolitik unhaltbar und völlig unangemessen“, kritisierte Junge gegenüber der JF. „Björn Höcke schadet mit derartigen Äußerungen sich selbst und der AfD insgesamt.“ Er sei sich sicher, daß sich der Bundesvorstand „damit in angemessener Weise im Sinne der Partei auseinandersetzen wird“. Im Wahlkampf in Rheinland-Pfalz werde es zudem keine Auftritte Höckes geben.

Ebenfalls auf Distanz ging der Berliner Landesverband. „Ich halte die Argumentation für politisch nicht tragbar und für die AfD kontraproduktiv. Genau solche Argumente und Aussagen nutzen die etablierten Medien, um uns zu diffamieren und die AfD in Gesamthaftung zu nehmen“, monierte Landeschef Günther Brinker auf Anfrage der JUNGEN FREIHEIT.

Kritik aus Berlin

„Herr Höcke muß parteiintern darauf hingewiesen werden, daß solche Äußerungen nicht als Privatmeinung deklariert, sondern immer der AfD als Ganzes zugeschrieben werden. Die Konsequenz sollte sein, daß er zukünftige Reden und Äußerungen bedachter und differenzierter tätigen sollte.“ Auch in Berlin wird im kommenden Jahr ein neues Landesparlament gewählt.

Auch in der eigenen Fraktion sorgt die Rede für Unmut. „Ich finde die Aussagen Höckes unglücklich“, sagte der Thüringer Landtagsabgeordnete Jörg Henke dem MDR.

Hintergrund ist eine Rede Höckes auf einer Veranstaltung des „Instituts für Staatspolitik“ Ende November, die am Freitag als Video veröffentlicht wurde. Darin stellt er die These auf, Afrika und Europa hätten durch die Evolution „zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien“ hervorgebracht.

Höcke bedauerte „Fehldeutungen“

Während in Afrika die „R-Strategie“ vorherrsche, die auf möglichst hohe Wachstumsraten abziele, stehe dem in Europa die „K-Strategie“ gegenüber. Diese wolle „die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen“. Aus diesem Grund würden in Afrika mehr Kinder pro Frau geboren als in Europa.

Höcke hatte am Sonntag bedauert, daß seine Äußerungen zum Reproduktionsverhalten von Afrikanern „zu Fehldeutungen geführt haben“. Auf seiner Facebook-Seite schrieb der Politiker: „Ich vertrete das christliche Menschenbild, und die Würde jedes Menschen ist für mich unantastbar.“

Es sei ihm darum gegangen, deutlich zu machen „daß sich Europa meiner Meinung nach vor einer Einwanderung, die es selbst überfordern würde, durch geschlossene Grenzen schützen muß“. Gerade als Politiker müsse man „auch die großen Entwicklungen im Blick behalten und darf sie nicht aus Sorge vor Mißverständnissen oder Fehlinterpretationen verschweigen“. Die Überforderung durch die Zuwanderung sei „bereits jetzt in deutschen Kommunen sichtbar“. (ho)

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