Björn Höcke: Kritik aus der eigenen Partei Foto: dpa
Parteipolitik

Höckes Afrikaner-Äußerungen sorgen in AfD für Empörung

ERFURT. Der Thüringer Landes- und Fraktionschef der AfD, Björn Höcke, hat bedauert, daß seine Äußerungen zum Reproduktionsverhalten von Afrikanern „zu Fehldeutungen geführt haben“. Auf seiner Facebook-Seite schrieb der Politiker: „Ich vertrete das christliche Menschenbild, und die Würde jedes Menschen ist für mich unantastbar.“

Es sei ihm darum gegangen, deutlich zu machen „daß sich Europa meiner Meinung nach vor einer Einwanderung, die es selbst überfordern würde, durch geschlossene Grenzen schützen muß“. Gerade als Politiker müsse man „auch die großen Entwicklungen im Blick behalten und darf sie nicht aus Sorge vor Mißverständnissen oder Fehlinterpretationen verschweigen“. Die Überforderung durch die Zuwanderung sei „bereits jetzt in deutschen Kommunen sichtbar“.

Ich habe Achtung vor jedem Menschen und seiner unveräußerlichen Würde. Unabhängig davon muß es einen offenen politischen Diskurs um die richtige Asylpolitik geben können. Ich habe niemals meine Meinung absolut gesetzt, nehme mir aber das Recht, Diskussionen anzustoßen und fordere eine offene Debatte über alle relevanten Politikfelder. – Björn Höcke

Hintergrund ist eine Rede Höckes auf einer Veranstaltung des „Instituts für Staatspolitik“ Ende November, die am Freitag als Video veröffentlicht wurde. Darin stellt er die These auf, Afrika und Europa hätten durch die Evolution „zwei unterschiedliche Reproduktionsstrategien“ hervorgebracht. Während in Afrika die „R-Strategie““ vorherrsche, die auf möglichst hohe Wachstumsraten abziele, stehe dem in Europa die „K-Strategie“ gegenüber. Diese wolle „die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen“. Aus diesem Grund würden in Afrika mehr Kinder pro Frau geboren als in Europa.

„Sachlich falsch, fundamental falsch und rassenideologisch geprägt“

Kritik daran kam vom nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Marcus Pretzell. „Wir brauchen keine Phantasien über rassisch bedingte aggressive afrikanische Überlebensstrategien und defensive europäische“, schrieb Pretzell auf seinem Facebook-Auftritt. „Was wir brauchen ist eine ehrliche Bestandsaufnahme, die es uns selbst erlaubt, unsere Kultur zu bewahren, zu schützen und zu leben, ohne dafür Schuldgefühle auf uns nehmen zu müssen.“

Er habe viele Äußerungen Höckes, „die eines Geschichtslehrers unwürdig sind, ertragen und geduldet“, kritisierte Pretzell. Dies habe jedoch „eine andere Qualität“. Die Aussagen seien „sachlich falsch, fundamental falsch und rassenideologisch geprägt“, empörte sich der EU-Abgeordnete.

Die AfD ist unideologisch, sie ist die Partei des Sachverstands und der Vernunft, gemessen daran, mag der innbrünstig vorgetragene Glaube, statt des Wissens zwar Urinstinkte anrühren, gleichwohl wirft er uns zurück in die Zeit in Europa vor der Aufklärung, in eine Zeit also, von der Höcke sagt, wir hätten sie evulotorisch hinter uns gelassen. Und so wird er selbst zum Kronzeugen gegen seine falschen Fakten. – Marcus Pretzell

Junge Alternative in Bayern fordert Parteiausschlußverfahren

Nachdem Höcke das entsprechende Video mit seiner Rede von seiner Facebook-Seite genommen hatte, nahm auch Pretzell, wie zuvor angekündigt, sein Statement von seiner Facebook-Seite. Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT erklärte er jedoch, er nehme nichts inhaltlich an seiner Kritik gegenüber Höcke zurück. Im Laufe des Sonntags hatte als erste AfD-Gliederung der Landesvorstand der Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) Bayern ein Parteiausschlußverfahren gegen Höcke gefordert. Gegen Abend wurde die Forderung auf Facebook wieder gelöscht mit der Erklärung:

Nachdem Herr Höcke sich um eine Stellungnahme bemüht hat und auch andere Vertreter der Partei folglich ihre öffentlichen Beiträge zurückgenommen haben, werden auch wir – nach interner Diskussion und auf freiwilliger Basis – unseren Beitrag löschen, so daß eine parteiinterne Diskussion stattfinden kann. Selbstverständlich bleiben wir bei der parteiinternen Diskussion bei unserem geäußerten Standpunkt!

Nach Informationen der FAZ will der AfD-Bundesvorstand noch am Sonntagabend über weitere Ordnungsmaßnahmen und Distanzierungen beraten. (ho/hpr)

Björn Höcke: Kritik aus der eigenen Partei Foto: dpa

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