Vor Parteitag

Lucke sieht AfD vor Richtungsentscheidung

BERLIN. Im Machtkampf in der AfD haben die beiden Vorsitzenden Bernd Lucke und Frauke Petry ihren Führungsanspruch bekräftigt. Im Interview mit der JUNGEN FREIHEIT sagte Lucke: „Die AfD steht vor einer Richtungsentscheidung. Ich möchte den Kurs halten – dafür trage ich Verantwortung. Andere wollen den Kurs ändern und aus der AfD eine Art Wut- und Protestpartei machen. Dem trete ich entschieden entgegen.“

Petry warf Lucke dagegen vor, die Warnung vor einem angeblichen Rechtsruck der AfD lediglich dazu zu nutzen, um „ungeliebte politische Rivalen ins Abseits zu schießen“. Lucke habe einen vermeintlichen Konflikt zwischen liberalen und nationalkonservativen Mitgliedern konstruiert, „weil er so selbständig Denkende loswerden möchte und weil er darüber hinaus nicht in der Lage ist, Kompromisse zu schließen“.

Petry: Abgang Luckes wäre Befreiungsschlag für Partei

Petry kündigte zudem an, sollte sie im Kampf gegen Lucke um das Amt des Vorsitzenden auf dem Parteitag zu unterliegen, für den Posten des zweiten Vorsitzenden zu kandidieren. Sollte der Parteitag sowohl sie als auch Lucke zu gleichberechtigten Vorsitzenden wählen, würde sie auch diese Form der Führungsspitz akzeptieren. „Ich würde mich aber weiterhin für meine Inhalte einsetzen.“

Sollte Lucke im Fall einer Niederlage die Partei verlassen, glaube sie nicht, daß dies der AfD schaden würde. „Im Gegenteil: sollte Lucke gehen, wird sein Rückzug – da bin ich mir sicher – wie ein Befreiungsschlag wirken und unserer Partei neuen Auftrieb geben.“

Lucke dagegen betonte, daß es im Führungsstreit um die AfD durchaus um Inhalte und politische Richtungen gehe und nicht allein um die Machtfrage. „Ich wehre mich dagegen, daß manche Leute ständig Pflöcke einzuschlagen versuchen, die kein Parteitag je gebilligt hat.“

Parteitag wird Großveranstaltung

So hätten AfD-Funktionäre die islamkritische Bewegung Pegida zum natürlichen Verbündeten der Partei erklärt, Verständnis für die Annektion der Krim durch Rußland geäußert, dem Islam die Eigenschaft als Religion abgesprochen, Ausschreitungen gegen Asylbewerber relativiert, die EU mit Nordkorea verglichen, den Kampf gegen „Multikulti und Genderwahn“ als Hauptziel der AfD ausgegeben und darüber spekuliert, ob alle Mitglieder der NPD automatisch rechtsextrem seien – und dies alles, ohne sich dafür eine Betätigung durch den Parteitag einzuholen, kritisierte er.

Unterdessen nimmt der für das erste Juli-Wochenende in Essen geplante Parteitag der AfD immer größere Formen an. Bislang haben sich bereits mehr als 3.000 Mitglieder für die Veranstaltung angemeldet, sagte ein Sprecher auf Anfrage der JF.

Kandidaten für Bundesvorstand halten sich bedeckt

Unklar ist bislang, ob es neben Lucke und Petry noch weitere Kandidaten für den Parteivorsitz gibt. Im Gespräch ist unter anderem die EU-Europaabgeordente und Lucke-Vertraute Ulrike Trebesius, die möglicherweise gegen Petry antreten könnte, sollte diese für den zweiten Vorsitz kandidieren.

Ebenfalls offen ist, wer sich für einen Posten im Bundesvorstand der AfD bewerben wird. Als aussichtsreiche Kandidaten werden der derzeitige Bundes-Vize Alexander Gauland sowie die Europa-Abgeordneten Beatrix von Storch, Joachim Starbatty und Marcus Pretzell gehandelt. Letzter sagte aber unlängst, er stehe hierfür nicht zur Verfügung. (krk)

AfD-Chef Bernd Lucke: Der Partei droht die Spaltung Foto: picture allaince/dpa

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