Pegida
13. Pegida-Kundgebung in Dresden Foto: picture alliance/dpa

Dresden
 

Erneut fast 20.000 bei Pegida

DRESDEN. In Dresden sind am Sonntag erneut Tausende Demonstranten einem Aufruf von Pegida gefolgt. Zu der 13. Veranstaltung des islamkritischen Bündnisses kamen laut Polizeiangaben etwa 17.300 Teilnehmer. Die Veranstalter sprachen von mehr als 20.000 Demonstranten. An mehreren Gegendemonstrationen beteiligten sich insgesamt um die 5.000 Menschen.

Pegida hatte sich am Freitag entschieden, die wöchentliche Montagsdemonstration auf den heutigen Sonntag vorzuverlegen. Hintergrund ist eine für Montag geplante Anti-Pegida-Veranstaltung, bei der Künstler wie Herbert Grönemeyer und die Band Silly auftreten sollen. Pegida wolle seinen Spaziergängern die Teilnahme an der kostenlosen Veranstaltung ebenfalls ermöglichen, begründetet das Bündnis die Vorverlegung seiner Demonstration.

Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel äußerte auch Kritik an der AfD und deren sächsischer Landeschefin Frauke Petry. Diese hatte gegenüber dem Spiegel behauptet, sie habe Oertel in der Affäre um den zurückgetretenen Pegida-Gründer Lutz Bachmann beraten. Dies stimme aber nicht, sagte Oertel. „Ich habe mich von ihr definitiv nicht beraten lassen, als es um den Rücktritt von Lutz Bachmann ging.“

Sie sei wegen dieser Behauptung enttäuscht von Petry. Pegida sei und bleibe überparteilich. Applaus gab es für das Lob Oertels für den Chef der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter. Dieser sei offen und ehrlich auf Pegida zugegangen.

Polizei verhindert Blockaden von Linken

Ein Grußwort kam auch von Silvio Rösler von Legida – dem Pegida-Ableger in Leipzig. Er bedankte sich für die Unterstützung aus Dresden und erläuterte, die früheren Differenzen seien überwunden. Künftig würden Pegida und Legida Schulter an Schulter spazieren.

Einzelne linke Gegendemonstranten versuchten, die Pegida-Teilnehmer daran zu hindern, auf den Theaterplatz zu kommen. Die Polizei schritt jedoch konsequent ein und verhinderte Blockaden. Etwa 1.200 Beamte sicherten die Veranstaltung von Pegida gegen linke Störer.

Es war die erste Demonstration von Pegida nach dem Rücktritt von Bachmann und den bekanntgewordenen Anschlagsdrohungen von Islamisten gegen die Bewegung.

Steinmeier: Pegida schadet Deutschlands Ruf

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte Pegida zuletzt vorgeworfen, dem Ansehen Deutschlands in der Welt zu schaden. Er werde bei seinen Auslandsbesuchen ständig auf die islamkritische Bewegung angesprochen, erzählte Steinmeier der Bild am Sonntag.

„Bei uns wird unterschätzt, welchen Schaden die fremdenfeindlichen und rassistischen Sprüche und Plakate der Pegida schon jetzt angerichtet haben“, warnte der SPD-Politiker. Umso wichtiger sei es, deutlich zu machen, daß Pegida nicht für Deutschland spreche.

Auch der Historiker Heinrich August Winkler warnte eindringlich vor der Dresdner Bewegung. „Pegida vertritt eine Ideologie, die Deutschland schon einmal in die Katastrophe gestürzt hat“, sagte er dem Tagesspiegel. Die Stoßrichtung von Pegida bedeutete „eine Absage an den aufgeklärten Westen und seine Ideen der unveräußerlichen Menschenrechte, der Toleranz, der Aufklärung und der Liberalität“, kritisierte Winkler.

„Wir haben es mit einer Bewegung zu tun, die altdeutsche Vorbehalte gegen die westliche Demokratie in einer Weise konserviert, wie wir es bis zum Herbst 2014 nicht mehr für möglich gehalten haben.“ Man dürfe Pegida daher nicht schönreden, sondern müsse sich offensiv mit dem Bündnis auseinandersetzen. (krk)