Bildschirmfoto_2013-06-14_um_11.36.06

Neuer Anschlagsverdacht
 

Schlagabtausch im NSU-Prozeß

Bildschirmfoto_2013-06-14_um_11.36.06
Bundesanwalt und Anklageschrift: Rätsel um neuen Anschlag Foto: Imago

MÜNCHEN. Im NSU-Prozeß ist es am Donnerstag zu einem Schlagabtausch zwischen den Angeklagten Carsten S. und Ralf Wohlleben gekommen. Der Verteidiger des 33 Jahre alten S., Jacob Hösl, hatte am zehnten Verhandlungstag vor dem Oberlandesgericht in München erklärt, daß sein Mandant sich erst dann von Wohllebens Anwälten befragen lassen wolle, wenn dieser ebenfalls eine umfassende Aussage tätige.

Carsten S. betonte, daß er „Waffengleichheit“ wolle, weil er sich mit seinen Einlassungen bereits „nackig“ gemacht habe. Das solle für Wohlleben nun auch gelten.

Dessen Verteidiger, Olaf Klemke, zeigte sich angesichts dieser Forderung fassungslos. Mit den Worten „Wir lassen uns nicht erpressen“ wies der Anwalt die Forderung zurück. Auf Nachfragen aus den Reihen der Nebenklagevertreter ging S. hingegen ein.

Widersprüche des Angeklagten

Während der vorherigen Verhandlungstage hatte der Diplom-Sozialpädagoge und einstige Mitarbeiter des Schwulen- und Lesbenreferats einer Fachhochschule bereits ein Geständnis darüber abgelegt, daß er die mutmaßliche Tatwaffe, eine Pistole der Marke „Ceska“, mitsamt Schalldämpfer besorgt hatte. Das Geld dafür habe ihm Ralf Wohlleben gegeben, sagte S. aus.

Während er auf Befragen des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl in bezug auf das Terrortrio zunächst von seinem Gefühl sprach, daß Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe „in Ordnung“ gewesen seien und er sich nicht habe vorstellen können, daß mit der von ihm besorgten Waffe Morde begangen werden könnten, verwickelte er sich später in Widersprüche.

Rätselhafter neuer Anschlag

So deutete S. inzwischen an, daß noch ein weiterer Anschlag auf die Bar eines Türken in Nürnberg auf das Konto des NSU-Trios gehe. In diesem Zusammenhang sei bei ihm der Verdacht entstanden, daß eine Taschenlampe mit Sprengstoff gefüllt sein könnte. Zudem will er in einem Gespräch vor der Waffenübergabe mitbekommen haben, wie Böhnhardt und Mundlos Gewalttaten ankündigten hatten und sich ein „Psst“ zuzischten, weil Beate Zschäpe  nichts mitbekommen sollte.

Die Bundesanwaltschaft will jetzt den Nürnberger Anschlag aus dem Jahr 1999 erneut überprüfen. (ro)

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
aktuelles