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Studie: Mutterbild schuld an niedriger Geburtenrate

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Berufstätige Frauen werden laut der Studie seltener Mutter Foto: Benjamin Thorn/pixelio.de

BERLIN. Deutschland gehört weltweit zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate. Schuld daran soll laut einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerung unter anderem das vor allem in Westdeutschland immer noch präsente Leitbild der „guten Mutter“ sein.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit einer Geburtenziffer von 1,39 Kindern pro Frau auf dem elftniedrigsten Platz. Das Schlußlicht bildet Lettland mit einer Quote von 1,17 Kindern pro Frau. Island führt dagegen die Statistik mit 2,20 Kindern an. Gefolgt von Irland (2,07), der zu Europa gezählten Türkei (2,04) und Frankreich (2,01).

Laut der Studie weist das deutsche Geburtenverhalten im internationalen Vergleich jedoch einige Besonderheiten auf. So sei das sehr niedrige Geburtenniveau mit Ausnahme der neuen Bundesländer bereits seit Mitte der siebziger Jahre zu beobachten. Es sei davon auszugehen, daß sich die kleine Familie zu einer „handlungsleitenden Normalität“ entwickelt habe. Familienpolitische Entscheidungen hätten hier kaum Auswirkungen.

Hohe Kinderlosigkeit unter Akademikerinnen

Auffallend sei auch die hohe Kinderlosigkeit. So blieben im alten Bundesgebiet beispielsweise 25 Prozent der Frauen des Geburtsjahrgangs 1967 ohne Kinder. Dies sei im internationalen Vergleich ein „außenordentlich hoher Wert“. Unter Akademikerinnen liege die Kinderlosigkeit mit 30 Prozent sogar noch etwas höher.

Auch beim Kinderwunsch gehört Deutschland mit 1,7 gewünschten Kindern zu den Schlußlichtern. In Europa gebe es neben Deutschland derzeit nur sechs weitere Länder, in denen die gewünschte Kinderzahl unter zwei liege.

Kinderlosigkeit im Osten geringer

Als Ursache machen die Autoren der Studie „(Keine) Lust auf Kinder“ unter anderem die „ungünstigen Vereinbarkeitsbedingungen“ zwischen Familie und Beruf aus. Dabei spiele auch das im Westen angeblich stark präsente Leitbild der „guten Mutter“ eine Rolle. Dort herrsche die Ansicht, daß Kinder bis zum dritten Lebensjahr nicht in Kindertagesstätten gehörten, sondern von der Mutter betreut werden sollten. Entschieden sich Frauen gegen diesen Weg, würden sie schnell als „Rabenmütter“ gelten. Dies begünstige die Entscheidung gegen Kinder.

Der Osten Deutschlands weise dagegen eine höhere Kinderbetreuungsquote bei den unter Dreijährigen und eine höhere Muttererwerbstätigkeit auf. Auf den Frauen laste damit „weniger der Entscheidungszwang zwischen der Mutterrolle als Hausfrau und der außerhäuslichen Erwerbstätigkeit“. Kinderlosigkeit sei hier dadurch seltener zu finden. (krk)

> Die Studie im Internet als PDF

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