Euro-Rettung
 

EZB-Direktor Asmussen verteidigt Kauf von Staatsanleihen

BRÜSSEL. Der Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen (SPD), hat den Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Mitgliedsländer verteidigt. Den Märkten könnten auf diese Art und Weise die „Zweifel am Bestand des Euro“ genommen werden, sagte Asmussen der Frankfurter Rundschau. Künftig werde die Zentralbank allerdings zusammen mit dem Rettungsschirmen EFSF und ESM tätig. Der EZB-Rat müsse zuvor jedoch zustimmen, derartige Ankäufe durchzuführen.

Mit Blick auf die Befürchtungen in Deutschland, die Bundesrepublik hafte für die Schulden bankrotter Euro-Staaten, versicherte der ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, die bisherigen Kredite hätten den deutschen Steuerzahler keinen Euro gekostet. „Deutschland ist der größte Profiteur dieser Währungsunion und des gemeinsamen Binnenmarktes. Millionen von Arbeitsplätzen hängen an den Exporten nach Europa.“

Nehmerländer mit deutlicher Mehrheit

Eine gemeinsame Haftung für Schulden könne es erst geben, wenn eine Fiskalunion mit demokratischer Kontrolle geschaffen worden sei, betonte Asmussen. „Daher sind Eurobonds nur in einer vollständigen Fiskalunion ein logisches Element.“ Niemand gebe seine Kreditkarte in fremde Hände, ohne dessen Ausgaben zu kontrollieren, sagte der Sozialdemokrat.

Asmussen ist eines von sechs Mitgliedern des EZB-Direktoriums, in dem neben Deutschland noch Spanien, Frankreich, Italien, Belgien und Portugal vertreten sind. Auch im EZB-Rat verfügen die Anhänger weiterer Anleihenkäufe der Zentralbank über eine deutliche Mehrheit. Lediglich Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte zuletzt gegen den Kauf von Staatsanleihen gestimmt. Asmussen hatte an der Abstimmung nicht teilgenommen. (ho)

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