Joachim Kuhs
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Diskussion um Ruderin
 

EKD-Vorsitzender ruft Drygalla zur Buße auf

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Präses Nikolaus Schneider ruft Ruderin Nadja Drygalla zur Buße auf Foto: Wikipedia/Elke Wetzig mit CC-Lizenz https://bit.ly/4Ynp37

BERLIN. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, hat von der deutschen Ruderin Nadja Drygalla eine ernsthaft gemeinte Abkehr vom Rechtsextremismus gefordert. In der Bibel stehe, „wenn ein Gottloser von seiner Gottlosigkeit umkehrt, so soll´s ihm nicht schaden, daß er gottlos gewesen ist“, sagte Schneider der Welt.

Eine solche Umkehr müsse auch Drygalla zugestanden werden. Allerdings verlange die Bibel einen echten Sinneswandel und dies gelte auch im Fall der 23 Jahre alten Ruderin. Dieser müsse „tatsächlich errungen und ernst gemeint sein“, betonte Schneider. Er fände es „ein bißchen schade, daß sich Frau Drygalla erst so spät geäußert“ habe, denn Rechtsextremismus sei nicht akzeptabel. Deswegen sei es richtig, daß diese Diskussion jetzt geführt werde.

Sellering verteidigt Drygalla

Drygalla war massiv in die Kritik geraten, weil ihr Freund mehrere Jahre Mitglied der rechtsextremen Szene war. Sie selbst hatte allerdings betont, dessen politische Einstellung nie geteilt zu haben und hatte sich vom Rechtsextremismus distanziert. Ihr Freund hat mittlerweile seinem früheren politischen Umfeld den Rücken gekehrt. Nachdem die Beziehung in den Medien skandalisiert worden war, hatte Drygalla vorzeitig das Olympische Dorf in London verlassen.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) verteidigte dagegen die Sportlerin. Deren Nominierung für die Olympischen Spiele sei gerechtfertigt gewesen, sagte Sellering am Dienstag laut der Nachrichtenagentur dapd in Schwerin. Drygalla sei nur mit einem früheren NPD-Mitglied liiert gewesen. „Weitere Erkenntnisse, daß sie persönlich dieses Gedankengut vertritt, gibt es nicht“, unterstrich der SPD-Politiker.

Recht auf zweite Chance

Kritik äußerte Sellering dagegen am Deutschen Ruderverband und am Bundesinnenministerium. Der Ruderverband hätte sich seiner Ansicht nach hinter Drygalla stellen müssen. „Dann kann man sie nicht aus London nach Hause schicken und diesem Mediensturm überlassen, sondern dann muß man auch sagen: Nach unserer Auffassung ist ihr nichts vorzuwerfen.“

Vom Bundesinnenministerium habe er gehört, „daß sie den Fall Drygalla für so schlimm halten, daß sie sich ihn in seiner Extremheit gar nicht vorstellen konnten“, sagte Sellering. Dies sei eine völlig überzogene Wertung.

Für Drygallas Freund, der im Mai aus der NPD ausgetreten war, forderte der Ministerpräsident eine zweite Chance: „Wir müssen die Arme aufmachen für diejenigen, die sagen, ‘Ich hab damit sympathisiert, aber ich habe erkannt, daß das falsch ist’.“ (krk)

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