Bundeswehr

Ursache oder Symptom für den Niedergang

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Der israelische Militärexperte Martin van Creveld geht mit der Bundeswehr hart ins Gericht Foto: Adi Mendlin

Nicht erst seit der Aufregung um angeblich frauenfeindliche Aussagen in der Studentenzeitung Campus der Bundeswehruniversität München ist das Thema Frauen in der Bundeswehr ein heißes Eisen. Das zeigte sich in unlängst eindrucksvoll bei einem Vortrag des international renommierten Militärtheoretikers und -historikers Martin van Creveld in Kiel. 

Auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik sowie des Verbandes der Reservisten der Deutschen Bundeswehr stellte van Creveld in der Hermann-Ehlers-Akademie, dem schleswig-holsteinischen Ableger der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, die These seines im Herbst in deutscher Übersetzung im Ares-Verlag erscheinendes Buches „Das Wesen des Krieges“ vor. 

An die hundert Zivilisten und Militärs, darunter auch drei Generale, saßen in gerader Haltung und zunächst schweigend vor dem Referenten aus Israel und verfolgten, wie dieser dem preußischen Militärtheoretiker Carl von Clausewitz in der Auffassung widersprach, der Krieg sei nichts als die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Krieg, so van Creveld, sei wesentlich mehr als nur von Zweckmäßigkeiten bestimmt. Krieg als das „Spiel mit dem Tod“ war und ist für viele eine „Quelle der Freude“. Im Laufe der Jahrtausende hätten die Menschen eine besondere „Kultur des Krieges“ entwickelt, die sich in Zeremonien, Uniformen, Militärmusik, Paraden, Namen von Kriegsschiffen und Flugzeuggeschwadern, in besonderen Regeln und Bräuchen bis hin zu Ehrenmalen ausdrücke.

Unruhe im Auditorium

Eine Nation könne zwar auch ohne eine Kriegskultur noch über Streitkräfte verfügen, doch seien solche Streitkräfte höchstens noch „wilde Haufen ohne Manneszucht, ohne soldatische Regeln, die kaum noch kämpfen, sondern höchstens Greuel verursachen“. Am schlimmsten aber sei es, wenn die Streitkräfte Opfer des Feminismus würden.

An dieser Stelle schreckte das Auditorium auf. Viele guckten erschrocken, ungläubig, Unruhe machte sich breit. Und van Creveld fuhr fort: Zu viele Frauen würden die Streitkräfte ruinieren. In den Vereinigten Staaten sei man sich inzwischen einig, daß Frauen nicht mehr als fünfzehn Prozent einer Einheit ausmachen dürften. Hält man diese Grenze nicht ein, breche die Kampfkraft zusammen. Die Bundeswehr sei dafür ein treffendes Beispiel, wie jeder bestätigen könne, der die Bundeswehr von vor zwanzig Jahren mit dem heutigen Zustand vergleiche. „Was ist denn das für eine Armee, deren Soldaten sich nach einem vier Monate dauernden Einsatz mit posttraumatischem Syndrom in psychiatrische Behandlung begeben müssen“, fragte er.

„Seit 1973 keinen Krieg mehr gewonnen“

Während die vorangegangenen Ausführungen zur Kriegskultur, mit denen van Creveld für bundesrepublikanische Verhältnisse bereits zur Genüge provoziert hatte, keine Reaktion im Publikum verursacht hatten, hagelte es nach den Ausführungen zu den Frauen in der Bundeswehr nun Wortmeldungen. Sie würden sich im Dienst hervorragend bewähren, so beispielsweise in Afghanistan (Zwischenruf van Creveld: „Dort werden Sie auch verlieren!“) im Sanitätsdienst, wo sie 40 Prozent ausmachten, was van Creveld nicht bestritt.

Manche Soldatinnen seien durchaus tüchtig, doch wirke sich das Überhandnehmen von Frauen auf die Qualität der Truppe negativ aus, wobei er sich nicht sicher sei, ob Frauen in Streitkräften die Ursache oder das Symptom für den Niedergang seien. Wie er Soldatinnen kritisch bewerten könne, so ein Einwand, sei doch der Anteil von Frauen in der israelischen Armee sehr hoch. Van Crevelds Konter: „Sie übersehen, daß die israelische Armee seit 1973 keinen Krieg mehr gewonnen hat.“

Seine Schlußfolgerung: Weil das Abendland vergessen hat, was Krieg bedeutet, wird es einen Krieg nach dem anderen verlieren, denn man sei nicht mehr bereit, um die eigene Existenz zu kämpfen und dabei auch sein Leben einzusetzen. Unter diesen Umständen werde man auch nicht siegen können. Der emeritierte Professor der Hebräischen Universität in Jerusalem ließ Zuhörer zurück, die den Eindruck erweckten, ihr Gemütszustand schwanke zwischen Empörung und Verwirrung.

JF 31-32/11

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