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Integration
 

Berlin: Grillverbot im Tiergarten stößt auf Kritik

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Nach dem Willen von SPD und CDU soll Grillen im Berliner Tiergarten künftig verboten werden Foto: Flickr/mivanov

BERLIN. Die Pläne der rot-schwarzen Bezirksregierung von Berlin-Mitte für ein Grillverbot im Tiergarten sind auf massive Kritik gestoßen. „Strenge Verbote passen nicht zum Freizeitverhalten der Berlinerinnen und Berliner. Die CDU sollte als Großstadtpartei hier eine Vorbildfunktion einnehmen und das Verbot noch stoppen“, forderte der Berliner Landesvorsitzende der Jungen Union, Conrad Clemens, am Wochenende.

Hintergrund ist Ankündigung von SPD und CDU, Grillen im Berliner Tiergarten ab dem 1. Januar 2012 zu untersagen. Als Grund für das Verbot wurden zu hohe Reinigungskosten genannt. Die Grillflächen werden überwiegend von arabischen und türkischen Großfamilien genutzt. Durch die Abfallbeseitigung entstehen nach Angaben des Bezirks jährlich Kosten in Höhe von 300.000 Euro. Nach schönen Wochenenden bleiben bis zu zwanzig Tonnen Müll zurück – Pappteller, Getränkeflaschen, Fleischreste und Knochen.

Warnung vor „Wir-Deutschen-Ihr-Migranten“-Spaltung

Kritik an dem geplanten Grill-Verbot hatte auch die Integrationsbeauftragte des Bezirks, Maryam Stibenz, geäußert, die das Vorhaben als „unsensibel“ bezeichnete. Es bestehe die Gefahr, daß es dadurch zu einer „Wir-Deutschen-Ihr-Migranten“-Spaltung komme, sagte Stibenz nach einem Bericht der Berliner Zeitung. Viele Einwanderer könnten die Entscheidung als ein Zeichen dafür ansehen, daß sie mit ihren Gewohnheiten nicht akzeptiert würden. Dadurch schaffe man neue Feindschaften, warnte die iranischstämmige Integrationsbeauftragte.

Der ehemalige SPD-Bezirkspolitiker Horst Porath, unter dessen Verantwortung 1998 die zwanzig Hektar große Grillfläche im Tiergarten eingerichtet wurde, zeigte ebenfalls kein Verständnis für das Verbot. Damit würden nur die Ärmsten getroffen, „die keinen Garten haben und damit keine Möglichkeit, sich mit ihren Großeltern und Freunden im Grünen zu treffen und zu grillen“, beklagte Porath. Seiner Ansicht nach käme das Verbot einer Diskriminierung der ausländischen Familien gleich. (krk) 

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