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Euro-Krise
 

Ratingagenturen verunsichern Finanzmärkte

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Ist die Abstufung der Nord LB nur der Auftakt zu weiteren Neubewertungen? Foto: Nord LB

FRANKFURT. Die Ratingagentur „Moody’s“ hat die Finanzstärkebewertung der Nord LB von C- auf D+ gesenkt. Die Gesamtbewertung der staatlichen Bank bleibt mit Aa2 weiterhin vergleichsweise positiv. Die Nord LB steht jedoch auf der Beobachtungsliste für eine Herabstufung.

„Moody’s“ begründete den Schritt mit Investitionen der Nord LB im stark schwankenden Geschäft mit Gewerbeimmobilien und Handelsschiffen sowie mit der schwierigen Lage der zur Nord LB gehörenden Deutschen Hypothekenbank, deren Finanzstärkebewertung nur noch D beträgt. Die Mitteilung der Ratingagentur hat kaum Resonanz in den Medien gefunden, wohl auch weil zeitgleich die Konkurrenzfirma „Fitch“ eine Überprüfung des Ratings europäischer Großbanken wie Credit Suisse, BNP Paribas oder Société Générale angekündigt hat. Unter anderem soll die Deutsche Bank überprüft werden. Sie könnte ihren Status AA- verlieren.

Sparkassen in Mitleidenschaft gezogen

Marktbeobachter sehen jedoch Gefahren in der Abstufung der Nord LB, die als eine der solidesten unter den deutschen Landesbanken gilt. Die Neubewertung von Moody’s könnte der Auftakt einer Abwertungswelle sein, die auch die problembehafteten Bankhäuser wie West LB oder HSH Nordbank betrifft. Das Finanzstärke-Rating der letztgenannten Bank beträgt schon jetzt nur noch E+. Durch eine Herunterstufung haben Banken es – wie Staaten – schwerer, sich mit am Markt mit Geld zu versorgen.

Sparkassen sind für die Versorgung des Mittelstandes wichtiger als große Investmentbanken wie die Deutsche Bank. Werden sie als Eigentümer der Landesbanken in Mitleidenschaft gerissen, weil denen das Geld ausgeht, so hat dies negative Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft.

Spaniens und Frankreichs Kreditwürdigkeit bedroht

Unterdessen hat auch die dritte große Ratingagentur „Standard & Poor’s“ eine negative Neubewertung vorgenommen: Spaniens Kreditwürdigkeit wurde am Freitag herabgestuft. Heute.de zitiert Michael Grote von der Frankfurt School of Finance and Management, der von einem „in Gang kommenden Teufelskreis“ spricht, falls auch Deutschland und Frankreich heruntergestuft würden. Dies sei möglich, sagte er. Dann, so Grote, wären auch die Kredite an den Rettungsschirm nicht mehr sicher und müßten abgeschrieben werden.

Unterdessen warnen mehrere Experten auf Handelsblatt online die Teilnehmer der Euro-Zone vor einem „Rating-Gau“. Eine Abstufung von Deutschland und Frankreich drohe den Euro zum Wackeln zu bringen heißt es dort. Die Chefvolkswirte von Barclays Capital Deutschland und Commerzbank, Thorsten Polleit und Jörg Krämer, rechneten „fest damit, daß beispielsweise Frankreich seine Top-Kreditwürdigkeit verlieren wird“. Handelsblatt online zitiert Jörg Krämer in Bezug auf Frankreich mit den Worten: „Im kommenden Jahr könnte dann die Bestnote von AAA endgültig fallen.“ (rg)

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