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Sprachwissenschaftlerin warnt vor neuem Antisemitismus

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Die Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel Foto: Universität Jena

BERLIN. Die Jenaer Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel hat mit einer Forschergruppe rund 10.000 Schreiben ausgewertet, die in den vergangenen fünf Jahren beim Zentralrat der Juden (ZdJ) und der israelischen Botschaft eingegangen sind.

„Der Großteil davon ist klar antisemitisch“, meint Schwarz-Friesel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur. „Und zu unserer Überraschung stammten weit über 80 Prozent von gebildeten Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.“

Entsprechend möchte Schwarz-Friesel einen Antisemitismus sehen, der in der Mitte der Gesellschaft grassiere. Dieser ist nach Ansicht der Wissenschaftlerin aber zunächst nicht als solcher zu erkennen. „Ich bin kein Antisemit, aber…“ beginnen viele Briefe. Ein Trick, um judenfeindliche Äußerungen als Israelkritik zu tarnen. „Aber die Semantik ist genauso radikal wie bei Rechtsextremen“ und bediene meist nur alte antisemitische Vorurteile.

Antisemitismus als solcher oft nicht zu erkennen

Dazu gehöre beispielsweise, das Vorgehen Israels im Nahost-Konflikt mit dem nationalsozialistischen Deutschland zu vergleichen. Dadurch würde man aber aus Sicht Schwarz-Friesels den millionenfachen Mord des Nationalsozialismus an den Juden relativieren. „Erschreckend ist, daß diese häufig von gebildeten Bürgern wie Professoren, Ärzten und Studenten kommen.“

„Der Verbalantisemitismus nimmt mehr und mehr zu und findet kaum Widerspruch“, empört sich die Wissenschaftlerin: „Wo ist da der Aufstand der Anständigen?“ Damit spielt Schwarz-Friesel auf den 2000 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder ausgelobten „Kampf gegen Rechts“ an. Unter diesem Namen wurden Protestmärsche anläßlich eines Brandanschlags auf eine Düsseldorfer Synagoge organisiert.

Später stellte sich allerdings heraus, daß die Täter arabischer Abstammung waren. Untersuchungen des Sozialwissenschaftlers Wilhelm Heitmeyer, der ähnlich wie Schwarz-Friesel einen anschwellenden Antisemitismus der deutschen Gesellschaft ausmachen möchte, berücksichtigen keinen möglichen Einwandererhintergrund. Auch Schwarz-Friesel machte im Gespräch hierzu keine Angaben. (FA)

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