Island: Weiter Verwirrung für deutsche Geldanleger

Reykjavik
Blick über eine Bucht bei Reykjavík: Klärt sich der Himmel für deutsche Anleger auf? Foto: Flickr/Kriz Dux

REYKJAVÍK. Der isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson, der in einem Interview mit der Financial Times Deutschland eine vollständige Entschädigung deutscher Geldanleger in Zweifel gezogen hatte, sieht sich falsch verstanden. Er habe lediglich erklären wollen, daß Island nicht die ganze Last der Finanzkrise allein tragen könne.

Sein Land unterstütze das Entschädigungsverfahren für die deutschen Anleger bei der Kaupþing Bank. Er habe sogar den „starken Willen zur Erfüllung aller internationalen Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen Islands betont, wie dies bereits in Österreich, Norwegen und Finnland geschehen ist“, teilte Grimsson mit.

Zeitpunkt und Höhe der Entschädigungen bleiben unklar

Auch die isländische Regierung und die Kaupþing Bank betonten ihren Willen zur Entschädigung der über 30.000 deutschen Anleger – aber der Zeitpunkt und die Höhe sind weiter unklar. Der gesetzliche Einlagensicherung Islands garantiert maximal 20.887 Euro, vorausgesetzt das Land erklärt nicht den Staatsbankrott.

Das deutsche Bundesfinanzministerium hatte daher Island bereits Ende 2008 einen Kredit zugesagt, um den Entschädigungsverpflichtungen nachzukommen zu können. Das Geld wurde bislang aber nicht in Anspruch genommen. Die im Oktober 2008 Pleite gegangene und anschließend wieder verstaatlichte Kaupþing Bank hatte vorige Woche bei einer Gläubigerversammlung in Reykjavík zugesagt, alle deutschen Sparer zu entschädigen – allerdings nicht über den isländischen Einlagensicherungsfonds, sondern aus dem eigenen Bankvermögen.

Angeblich sollen schon über 80 Prozent der notwendigen 300 Millionen Euro bereitstehen. Es seien nur noch einige technische Details der Auszahlung zu klären, teilte Kaupþing-Insolvenzverwalter Ólafur Garðarsson mit.

Staatbankrott nur knapp verhindert

Die wirtschaftliche und soziale Lage in Island wird indes immer dramatischer. Allein aus den Verbindlichkeiten der drei rückverstaatlichten ehemaligen Privatbanken Kaupþing, Glitnir und Landsbanki lasten auf den etwa 320.000 Isländern Staatsschulden in zweistelliger Milliardenhöhe. Ein Staatsbankrott konnte nur durch Kredite des Internationalen Währungsfonds und von skandinavischen Ländern abgewendet werden.

Anfang des Monats hat zudem auch das von der Bilanzsumme her größte Privatunternehmen Islands, die Baugur Group, Insolvenz angemeldet. Das Firmenimperium des 41 Jahre alte Finanzinvestors Jón Ásgeir Jóhannesson hatte sich ursprünglich aus der isländischen Supermarktkette Bónus entwickelt. Kreditfinanziert stieg Baugur zur größten Medienfirma Islands auf und übernahm gleichzeitig Kaufhäuser in Großbritannien und Dänemark.

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