Islamwissenschaftlerin: Kritik ist kein „Rassismus“

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Muslimisches Mädchen in Indonesien. Ist Islam eine „Rasse“? Foto: Flickr/Nusa Tenggara

BONN. Die evangelische Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher hat Behauptungen zurückgewiesen, wonach Islamfeindlichkeit die „gegenwärtig am meisten verbreitete Form von Rassismus in Deutschland“ sei. Diese Auffassung vertreten der Koordinationsrat der Muslime und der Interkulturelle Rat in Deutschland in einer Pressemitteilung zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus Ende März.

Wie die Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz gegenüber idea sagte, sei dieser Vorwurf der Versuch, eine kritische und breitgefächerte Diskussion über bedenkliche Entwicklungen innerhalb der islamischen Gemeinschaft in Deutschland zu verhindern.

Schirrmacher zufolge sind im Koordinationsrat über den Verband der Islamischen Kulturzentren, den Islamrat sowie den Zentralrat der Muslime nicht einmal zehn Prozent der in Deutschland lebenden Muslime vertreten. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), die ebenfalls dem Rat angehört, vertritt nach eigenen Angaben 70 Prozent der türkischen Moscheevereine.

Islamverbände repräsentieren nur Minderheit der Moslems

Laut einer Umfrage des Zentralinstituts Islam-Archiv Deutschland vom vorigen Jahr fühlen sich 45 Prozent der rund 3,5 Millionen Muslime durch den Koordinationsrat vertreten. Obwohl der Koordinationsrat also nicht die Mehrheit der Muslime repräsentiere, nehme er für sich in Anspruch, für alle Muslime zu sprechen und das Bild vom Islam bestimmen zu wollen, sagte Schirmmacher.

Zwar seien Muslime mitunter Pauschalisierungen und Vorverurteilungen ausgesetzt, allerdings stünden integrationsbereiten Muslimen höhere Schulen, Universitäten sowie alle Berufsfelder offen – ganz im Gegensatz zur christlichen Minderheit in islamisch geprägten Ländern.

Nicht Rassismus sei der Grund für fehlende Erfolge von Teilen der islamischen Minderheit, sondern fehlende Leistungen, die oft durch Sprachdefizite bedingt seien, sagte Schirrmacher.

Spannungen zwischen Moslems und der deutschen Kultur wächst

Nach Einschätzung der Islamwissenschaftlerin ist die Kluft zwischen Muslimen und Nichtmuslimen in den letzten Jahren größer geworden. Gründe seien die verpaßte Integration sowie die Gewalt islamischer Fundamentalisten. Dies habe in den vergangenen Jahren die Diskussion über den Islam verschärft. Wichtig sei die Unterscheidung zwischen Islamisten – also gewaltbereiten Anhängern des Islam – und den gemäßigten Muslimen, die laut Verfassungsschutz 99 Prozent der etwa 3,5 Millionen Muslime in Deutschland ausmachen.

Allerdings bereiteten die sich vertiefende gesellschaftliche Kluft zwischen Muslimen und Nichtmuslimen sowie der politische Islam den Boden dafür, daß die deutsche Gesellschaft auf Distanz zum Islam gehe und sich Teile der unpolitischen muslimischen Mehrheit radikalisierten.

Der 2007 gegründete Koordinationsrat ist der Spitzenverband der vier größten islamischen Organisationen in Deutschland. Der Interkulturelle Rat ist ein Zusammenschluß aus Vertretern von Islamverbänden, Kirchen und weiteren Organisationen (idea/JF).

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