Edathy fordert Verbot der Heimattreuen Deutschen Jugend

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Wappen der Stadt Güstrow Foto: Wikipedia

GÜSTROW. Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Sebastian Edathy (SPD), hat ein Verbot der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) gefordert. Hintergrund ist die Auflösung eines Kinderferienlagers der Organisation durch die Polizei am vergangenen Freitag im Kreis Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern.

Nach Angaben der Polizei habe der dringende Verdacht jugendgefährdenden Verhaltens durch die Betreuer bestanden. Demnach war auf einem Privatgelände am Rande der Gemeinde Hohen Sprenz ein Lager mit 14 Zelten aufgeschlagen. In dem Lager hätten 39 Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren unter Anleitung von einem Dutzend Betreuer „Verhaltensweisen und Lebensformen des Nationalsozialismus praktiziert“. Rechtsextreme Inhalte zu verbreiten, habe zum Tagesablauf des Ferienlagers gehört.

Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung habe die Polizei am Donnerstag das Lager durchsucht. „Der Verdacht der Verbreitung von verfassungswidrigen Materialien wurde bestätigt“, sagte eine Polizeisprecherin am Montag in Rostock. Geschirrhandtücher mit Hakenkreuzen, Kassetten, Bücher oder Landkarten mit den deutschen Ostgebieten seien gefunden worden. Laut Volker Werner, dem Sprecher der Polizeidirektion Rostock, mußten die Kinder „auf alten Karten einzeichnen“, wo das Memelland liege.

„Folklore und altdeutsche Lieder“

Auf ihrer Internetzpräsenz charakterisiert sich die HDJ als „aktive, volks- und heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen im Alter von 7 bis 29 Jahren“.

Die am 8. August erlassene Ordnungsverfügung des Güstrower Landrats enthält mehrere Begründungen, warum das „Zeltlager ein jugendgefährdender Ort im Sinne des Paragraphen 8 Jugendschutzgesetz“ sei. So wird dem Veranstalter  vorgeworfen, im Lager „eine heimattreue Jugendbewegung nach Folklore und altdeutschen Liedern gelebt“ zu haben und im Sinne der Satzung der HDJ „‘die Jugend zu der Heimat und dem Vaterland treuen und dem Gedanken der Völkerverständigung aufgeschlossenen Staatsbürgern’“ heranzubilden.

Auf einer Karte Deutschlands in den Grenzen von vor dem Ersten Weltkrieg hätten die Namen der Regionen eingetragen werden sollen: „Bezeichnungen wie Memelland, Nordmark, Eupen-Malmedy und Elsaß-Lothringen waren zu finden.“ Außerdem hätten „konkret festgestellte Tatsachen“ wie „morgendliches Wecken mit Posaunen, Morgenappell und das Tragen von Uniformen „die vorsätzliche rechtsextremistische Einflußnahme“ deutlich gemacht.

Presseberichten zufolge seien viele Kinder mit kurzen grauen Hosen und hellblauen Hemden mit HDJ-Emblem bekleidet gewesen.

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