TEHERAN/BERLIN. Irans Oberster Führer Ali Chamenei hat bestätigt, daß infolge der Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und Sicherheitskräften im Land „mehrere Tausend“ Tote forderten. Dabei warf er Israel und den USA vor, direkt für die Gewalt verantwortlich zu sein. „Jene, die Verbindungen zu den besagten Ländern vorweisen, haben massiven Schaden verursacht“, sagte der islamische Geistliche am Samstag bei einem Treffen mit Studenten in Teheran. „Wir werden unser Land nicht in einen Krieg hineinziehen, lassen aber heimische wie ausländische Kriminelle nicht straffrei davonlaufen“, betonte er.
Eine genaue Zahl der Toten gab Chamenei nicht an. Schätzungen der oppositionsnahen Nachrichtenagentur HRANA zufolge sollen inzwischen 3.090 Beteiligte auf beiden Seiten getötet worden sein. Aufgrund der seit vergangener Woche andauernden Internetblockade lassen sich die Zahlen nicht überprüfen. Am Dienstag hatte US-Präsident Donald Trump seine Drohungen einer möglichen Intervention im Iran bekräftigt. „Wenn sie die Demonstranten erhängen, werdet ihr so einiges sehen“, sagte er dem Fernsehsender CBS. Auch zog Washington Personal von der Al-Udeid-Luftwaffenbasis in Katar ab, die den größten Militärstützpunkt der Vereinigten Staaten im Nahen Osten darstellt (die JF berichtete).
Auslöser der Iran-Proteste war eine Wirtschaftskrise
Auch in Deutschland finden zahlreiche Proteste gegen die islamistische Führung Irans statt. Am Samstag demonstrierten bundesweit zehntausende Anhänger der iranischen Opposition in mehreren Großstädten. In Berlin liefen nach Angaben der Teilnehmer in den sozialen Medien rund 3.000 Befürworter des im US-Exil lebenden Thronfolgers, Reza Pahlavi, durch den Kurfürstendamm. Auch die JUNGE FREIHEIT war vor Ort. Die Anwesenden skandierten unter anderem „Javid Shah“, was auf Persisch „Es lebe der König“ bedeutet. Neben iranischen Trikoloren aus der Zeit vor der Islamischen Revolution 1979 hielten sie deutsche und israelische Flaggen hoch.

Auslöser der Demonstrationen im Inland war die seit Juni vergangenen Jahres verschärfte Wirtschaftslage. Nach der Niederlage im Krieg mit Israel und den anschließenden UN-Sanktionen hatte Irans Landeswährung Rial mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Im Dezember betrug die offizielle Inflationsrate 42,2 Prozent, die Teuerungsrate für Lebensmittelpreise fiel mit 72 Prozent überdurchschnittlich aus.
Zunächst hatten mehrere Händler ihre Läden aus Protest gegen die Wirtschaftspolitik des Landes geschlossen. Auf die anschließenden Solidaritätsdemonstrationen, bei denen Demonstranten unter anderem „Freiheit“ skandierten, reagierten die Sicherheitskräfte mit Tränengas und Festnahmen. In den darauffolgenden Tagen schlossen sich Studenten sowie zahlreiche Oppositionsgruppen und kurdische Separatisten den Protesten an, die in Straßenkämpfen mit der regulären Polizei sowie paramilitärischen Revolutionsgarden mündeten. (kuk/mit ctw)






