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Frankreich: Alle sieben Stunden ein Mord oder Totschlag

Frankreich: Alle sieben Stunden ein Mord oder Totschlag

Frankreich: Alle sieben Stunden ein Mord oder Totschlag

Weiß gekleidete französische Polizisten untersuchen den Tatort einer Bandenschießerei in Marseille, eine kleine enge Gasse – wieder einmal hat sich die Mordrate in Frankreich erhöht
Weiß gekleidete französische Polizisten untersuchen den Tatort einer Bandenschießerei in Marseille, eine kleine enge Gasse – wieder einmal hat sich die Mordrate in Frankreich erhöht
Französische Polizisten untersuchen den Tatort einer Bandenschießerei in Marseille, Januar 2026. Foto: picture alliance / SIPA | Frederic MUNSCH
Frankreich
 

Alle sieben Stunden ein Mord oder Totschlag

Frankreich erlebt einen erneuten Anstieg tödlicher Gewalt: 2025 wurde statistisch alle sieben Stunden ein Mensch getötet. Auch die Gewalt des Drogenmilieus bleibt ein Problem. Wie sieht es im Vergleich in Deutschland aus?
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PARIS. Die Zahl der Morde und Totschlagsdelikte ist in Frankreich 2025 auf den höchsten Wert seit 2022 gestiegen. Die Mordrate stieg im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent, wie das Innenministerium bekannt gab. Insgesamt wurden 1.268 Fälle von Mord- oder Totschlagsdelikten registriert. Demnach fand etwa alle sieben Stunden ein Mord- oder Totschlagsdelikt statt.

Diese Zahlen spiegelten mutmaßlich nur einen Teil der im Land verübten Gewalttaten wider, betonte ein Delegierter der Polizeigewerkschaft Alliance Police, Stanislas Gaudon. „Diese Statistiken basieren in erster Linie auf den von der Polizei oder Gendarmerie festgestellten Fakten“, erklärt er. Es gebe Zeugenaussagen von Bürgern, die Opfer von Gewaltverbrechen, inklusiver versuchter Tötungsdelikte, geworden seien und diese nicht zur Anzeige gebracht hätten.

Immerhin in einem Bereich gebe es aber eine positive Entwicklung. Die Zahl der Tötungen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel sei gesunken – von etwa 400 Toten im Jahr 2023 auf weniger als 300 im Jahr 2025, betonte der Chefkommissar der Drogenbekämpfungsbehörde Ofast, Dimitri Zoulas.

Frankreich kämpft mit Migranten- und Drogengewalt

Seit mehreren Jahren hat Frankreich mit Banden- und Drogengewalt zu kämpfen. Vom Jahr 2022 auf 2023 stieg die drogenbezogene Tötungsrate um 23 Prozent, wie franceinfo berichtete. Während Ofast für das Jahr 2021 insgesamt 275 Tötungen im Drogenmilieu zählte, waren es 2022 insgesamt 303 Tote und 2023 sogar 418 Tote. Im Jahr 2024 sank der Wert leicht – auf 367 „Narkozide“, wie solche Tötungen mittlerweile bezeichnet werden. Laut einer Studie der Denkfabrik iFRAP machen Narkozide etwa 80 bis 90 Prozent aller Gang-Morde aus.

Vor allem Migranten sind in der französischen Kriminalität deutlich überrepräsentiert. Obwohl der Anteil ausländischer Staatsbürger im Land nur etwa zehn Prozent beträgt, waren im Jahr 2024 fast 25 Prozent der Gefängnisinsassen Ausländer. Eine 2023 veröffentlichte Studie ergab zudem, daß im Jahr 2022 insgesamt 55 Prozent aller Raubüberfälle, sexueller Übergriffe und Gewaltverbrechen im öffentlichen Nahverkehr Frankreichs von Einwanderern begangen wurden (JF berichtete).

In Marseille ist die Lage besonders dramatisch

Besonders die Situation in der südfranzösischen Stadt Marseille soll sich seit den 90er Jahren langfristig verschlechtert haben – als Migranten aus Nordafrika und dem Nahen Osten schrittweise den Drogenmarkt übernahmen und das angestammte kriminelle Milieu zurückdrängten (JF berichtete). Während im Jahr 2018 im gesamten Département Bouches-du-Rhône gerade einmal 23 Fälle von bandenbezogenen Rachetötungen gezählt wurden (die zu einem großen Teil mit dem Drogenhandel zusammenhängen), gab es im Jahr 2023 allein in der Stadt Marseille 49 registrierte Narkozide.

Insgesamt sind Tötungsdelikte damit im Nachbarland ein deutlich schwerwiegenderes Problem als in Deutschland. Während die Zahlen für 2025 noch nicht veröffentlicht sind, gab es im Jahr 2024 insgesamt 668 Fälle von Tötungen (Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen) in der Bundesrepublik. In Frankreich waren es 976 – obwohl das Land nur vier Fünftel der Einwohner Deutschlands hat. Während sich in Frankreich im Jahr 2024 statistisch alle neun Stunden eine Tötung ereignete, geschah das in Deutschland nur jede 13. Stunde. (lb)

Französische Polizisten untersuchen den Tatort einer Bandenschießerei in Marseille, Januar 2026. Foto: picture alliance / SIPA | Frederic MUNSCH
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