Trotz Verzichtserklärung

Zweiter Weltkrieg: Polen fordert hunderte Milliarden an Reparationen

WARSCHAU. Wenige Tage vor dem 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs sind in Polen erneut Forderungen nach deutschen Reparationszahlungen laut geworden. Einem noch nicht veröffentlichten Bericht einer Parlamentskommission zufolge geht es dabei um 850 Milliarden US-Dollar (766 Milliarden Euro). Diese Summe läge noch über der Zahl, die der Abgeordnete der regierenden PiS, Arkardius Mularczyk, im vergangenen Jahr genannt hatte. Damals sprach der Beauftragte des Sejm für die Reparationsfrage von 690 Milliarden Euro.

Auch Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bestätigte am Mittwoch, daß an ein Abrücken entsprechender Forderungen nicht zu denken sei. „Polen hat von Deutschland bis heute keine angemessene Kompensation für die Greueltaten des Zweiten Weltkriegs bekommen“, sagte Morawiecki den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das Land habe im Zweiten Weltkrieg sechs Millionen Menschen verloren – „weit mehr als andere Staaten, die umfangreiche Reparationszahlungen erhalten haben. Das ist nicht fair. Dabei kann es nicht bleiben.“

Berlin sieht Forderungen durch Zwei-plus-Vier-Vertrag erledigt

Einen Betrag nannte Morawiecki dagegen nicht. „Wir werden die Summe, die wir fordern, seriös ermitteln“, betonte er. Den Einwand, Polen habe bereits 1953 auf Reparationszahlungen verzichtet, läßt Morawiecki nicht gelten. „Das war ein Vertrag zwischen Polen und der DDR, den wir nicht anerkennen.“ Zusätzlich zum Abkommen mit der DDR bekräftigte Polen allerdings auch im Vertrag über die Normalisierung der Beziehungen zur Bundesrepublik 1970 seinen Verzicht.

Berlin steht zudem auf dem Standpunkt, daß das Thema durch den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 erledigt sei. Polens Außenminister Jacek Czaputowicz glaubt dagegen an ein Einlenken der Bundesregierung. „Die Sache wird gerne wie ein Konflikt dargestellt, aber ich habe den Eindruck, daß die deutsche Seite durchaus offen für unsere Forderungen ist“, sagte Czaputowicz im Februar. (tb)

Polens MInisterpräsident Mateusz Morawiecki Foto: picture alliance/Xinhua

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