Das Flüchtlingsschiff Ocean Viking im Hafen von Messina (Archivbild) Foto: picture alliance/IPA
Mittelmeerroute

„Ocean Viking“ sucht wieder EU-Hafen für Migranten

MARSEILLE. Die Flüchtlingsorganisation SOS Méditerranée hat 176 Migranten aus Seenot gerettet und fordert von der EU die Aufnahme der Menschen. „Diese Männer, Frauen und Kinder haben eine schreckliche und teilweise traumatisierende Flucht über das Mittelmeer hinter sich, sie sind erschöpft und brauchen dringend eine angemessene Versorgung. Bei uns an Bord können wir diese nur vorübergehend sicherstellen. Dies ist schlichtweg eine Notlösung“, teilte der Einsatzleiter der Organisation, Frédéric Penard, in einer Stellungnahme mit. Er forderte von der Europäischen Union „umgehend“ die Zuweisung eines sicheren Ortes.

In zwei Einsätzen am Samstag und Sonntag habe die Besatzung des Flüchtlingsschiffs Ocean Viking die Migranten vor der libyschen Küste an Bord genommen. Die Organisation verweigerte nach eigenen Angaben die Fahrt nach Tripolis, das ihr von libyschen Behörden als sicherer Hafen zugewiesen worden sei. Das nordafrikanische Land könne nicht als sicherer Ort gelten.

Deutsche wollen keine weiteren Mittelmeerflüchtlinge

Es ist bereits das vierte Mal, daß die Ocean Viking nach einem Einsatz die Aufnahme von Flüchtlingen in Europa fordert. Das Boot, das gemeinsam von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, befindet sich seit August im Mittelmeer.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte in den vergangenen Wochen wiederholt zugesagt, jeden vierten aus Seenot geretteten Mittelmeerflüchtling, der in Italien ankommt, nach Deutschland zu holen. Anfang Oktober hatte eine Umfrage ergeben, daß die Mehrheit der Deutschen diesen Plan ablehnt. (ag)

Das Flüchtlingsschiff Ocean Viking im Hafen von Messina (Archivbild) Foto: picture alliance/IPA

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