Die „Lifeline“ im Sommer 2018 mit 234 Afrikaneren an Bord vor Valletta Foto: picture alliance / AP Photo
Acht Länder sichern Unterstützung zu

Polizei verhört deutschen Kapitän der „Lifeline“

VALLETTA. Nach der Aufnahme des Flüchtlingsschiffs „Lifeline“ mit über 230 Migranten an Bord hat die maltesische Polizei den deutschen Kapitän verhört. Während die anderen Crewmitglieder das Schiff verlassen durften, wurde Kapitän Claus-Peter Reisch nach der Befragung wieder an Bord gebracht, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Dem Kapitän wird vorgeworfen, die Anweisungen der italienischen Behörden ignoriert zu haben. Die Regierung in Rom hatte nach eigenen Angaben die Flüchtlingshelfer aufgefordert, die in Seenot geratenen Afrikaner von der libyschen Küstenwache bergen zu lassen. Nach Darstellung der Dresdner Flüchtlingshilfsorganisation „Mission Lifeline“ kam die Küstenwache aber nicht schnell genug zu Hilfe.

Schiff war staatenlos unterwegs

Die „Lifeline“ hatte nach tagelanger Blockade durch Italien und Malta am Mittwoch nachmittag einen Hafen auf dem Inselstaat angelaufen. Die 234 Einwanderer seien im Hafen in Senglea vor Valletta an Land gebracht worden. Sechs Personen, darunter drei Kleinkinder, kamen den Angaben nach in ein Krankenhaus.

Maltas Premierminister Joseph Muscat hatte bereits zuvor angekündigt, das Schiff mit 17 deutschen Besatzungsmitgliedern beschlagnahmen zu lassen. Grund dafür sei auch, daß das Schiff staatenlos unterwegs sei. Die Dresdner sagten zwar, es fahre unter niederländischer Flagge, doch die dortigen Behörden verneinen das Muscat zufolge.

Acht EU-Ländern sichern Aufnahme zu

Die maltesische Regierung hatte das Schiff unter der Bedingung aufgenommen, daß andere EU-Staaten sich an der Aufnahme der Asylforderer beteiligen. Neben Malta sagten Frankreich, Italien, die Niederlande, Portugal, Belgien, Irland und Luxemburg ihre Unterstützung zu. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) lehnte ab mit der Begründung, daß es aus deutscher Sicht derzeit keine Notwendigkeit gebe, im Falle der 234 Migranten zu helfen.

Ein Sprecher von „Mission Lifeline“, Axel Steier warf Seehofer vor, wie Italiens Innenminister Matteo Salvini (Lega) zu handeln, der der illegalen Einwanderung den Kampf angesagt hatte. „Er agiert wie eine deutsche Version seines italienischen Kollegen Salvini und er macht die deutsche Regierung mitschuldig an der fehlenden Hilfe für Personen in Gefahr“, zitiert ihn die italienische Tageszeitung La Repubblica.

UN kritisieren EU wegen „Lifeline“-Odyssee

Unterdessen haben die Vereinten Nationen die Europäische Union wegen der „Lifeline“-Odyssee scharf kritisiert. Weil die EU politisch gelähmt sei, müßten Unschuldige leiden, beklagten das UN-Flüchtlingshilfswerk und die Internationale Organisation für Migration.

Sie forderten kurz vor dem anstehenden EU-Gipfel in Brüssel, daß die EU-Staaten schnellstmöglich eine gemeinsame Lösung für die Region finden sollen, um weiteres unnötiges Sterben auf See zu verhindern. (ls)

Die „Lifeline“ im Sommer 2018 mit 234 Afrikaneren an Bord vor Valletta Foto: picture alliance / AP Photo

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