NGO-Schiff

„Politische Angriffe“: Flüchtlingsorganisation gibt „Aquarius“ auf

PARIS. Die Flüchtlingsorganisation SOS Méditerranée hat ihren Einsatz mit dem Schiff Aquariusbeendet. Der Entscheidung, den Chartervertrag aufzulösen, sei „eine Reihe von gezielten politischen Angriffen auf die lebensrettende Arbeit der Hilfsorganisation vorausgegangen“, teilte SOS Méditerranée am Donnerstag abend mit. Allerdings plane die französische Organisation „sobald wie möglich“ neue Einsätze mit einem anderen Schiff.

„Wir haben den Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See erreicht. Daß wir jetzt dazu gezwungen sind, den Betrieb der Aquariuseinzustellen, während europäische Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung, Menschen im Mittelmeer zu retten, nicht gerecht werden, ist ein Armutszeugnis für Europa. Daß Leben retten im Mittelmeer unmöglich gemacht werden soll, verdeutlich das Scheitern Europas“, sagte die Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland, Verena Papke.

Italien wollte Schiff beschlagnahmen

Nach eigenen Angaben haben die Flüchtlingshelfer in den vergangenen drei Jahren fast 30.000 Einwanderer nach Europa gebracht. Auch Deutschland nahm mehrfach Aquarius-Migranten auf. „Wir weigern uns, an Land untätig dabei zuzusehen, wie Menschen weiterhin auf dem Mittelmeer sterben. Solange diese Menschen ihr Leben auf seeuntauglichen Booten riskieren müssen, wird SOS MEDITERRANEE da sein und der humanitären Tragödie im Mittelmeer mit allen verfügbaren Mitteln etwas entgegensetzen“, kündigte der Leiter der Mission, Frédéric Penard, an.

Die von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betriebene Aquariusliegt derzeit vor Marseille. Zuvor war ihr zweimal die Flagge entzogen worden. Zuletzt drohten italienische Behörden, das Schiff zu beschlagnahmen, weil es illegal Müll in Italien entsorgt haben soll. Italien hat seine Häfen für Schiffe von Flüchtlingsorganisationen weitgehend geschlossen.

Laut der Internationalen Organisation für Migration liegt Italien in diesem Jahr nur noch auf Platz drei der europäischen Ländern, in denen am meisten Flüchtlinge ankommen. Zwischen Januar und dem 2. Dezember 2018 registrierte Italien demnach 23.011 Asylsuchende. Im Jahr davor waren es 117.120. In Spanien landeten in diesem Jahr 52.678 und in Griechenland 29.782 Migranten an. (ls)

Die „Aquarius“ mit Einwanderern an Bord (Archivbild) Foto: picture alliance / Photoshot

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