Geheimdienste

Snowden: Wir haben Stuxnet gebaut

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Pro-Snowden-Demo in Berlin am vergangenen Donnerstag Foto: RG

BERLIN. Der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden hält mit seinen Aussagen weiter die Weltöffentlichkeit in Atem. In einem Interview bestätigte er unter anderem, daß amerikanische Geheimdienste an der Entwicklung des Computervirus Stuxnet beteiligt waren. 

Stuxnet war ein Computerprogramm, das 2010 vorwiegend iranische Rechner infiziert und das iranische Atomprogramm damit beeinträchtigt haben soll. Bislang haben die vielfach verdächtigen Geheimdienste der USA und Israels dies zurückgewiesen. Nun hat mit Snowden erstmals ein Insider aus dem Geheimdienstapparat zugegeben, daß Stuxnet ein Gemeinschaftsprojekt beider Staaten war. „Die NSA und Israel haben Stuxnet zusammen geschrieben“, sagt er im Interview.

Außerdem enthüllte Snowden in dem Interview, das er mit dem Bürgerrechtler Jacob Appelbaum und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras vor Wochen geführt und das der Spiegel nun auszugsweise veröffentlicht hat, wie gut die westlichen Geheimdienste zusammenarbeiten. Auch deutsche Behörden steckten mit der „NSA unter einer Decke“, so Snowden.

Das Muster der Zusammenarbeit ist demnach immer gleich: Die Geheimdienste spitzeln die Bevölkerung des jeweils anderen Landes aus und geben die Informationen dann auf Nachfrage weiter. So wurde ein System errichtet, in dem der jeweils eigene Geheimdienste niemals die Rechte seiner Bürger verletzt und doch alle Informationen erhält, die er haben möchte.

Snowden war ein NSA-Hacker

Inzwischen wurde bekannt, daß Snowden mehr war als ein Systemadministrator, als den ihn die NSA-Verantwortlichen nun charakterisieren. Wie die New York Times unter Berufung auf Personen aus seinem Umfeld berichtet, habe Snowden einen Lehrgang absolviert und sich zu einem Cybersicherheitsexperten jener Art ausbilden lassen, „wie sie die NSA händeringend zu rekrutieren sucht.“ Kurz: Snowden war ein Hacker, der sich für die NSA unentbehrlich gemacht hat.

Der 30jährige wartet auf dem Moskauer Flughafen darauf,  daß ein Land ihm Asyl anbietet. Er ist auf der Flucht vor amerikanischen Strafverfolgungsbehörden, die ihn wegen Spionage zur Rechenschaft ziehen wollen. Mehrere lateinamerikanische Staaten haben die Bereitschaft signalisiert, ihn aufzunehmen. Ob er tatsächlich dorthin geht, ist aber unklar. Snowden hatte auf massiven Machtmißbrauch durch die NSA und andere Geheimdienste hingewiesen. (rg)

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