Markus Krall Freiheit oder Untergang
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Frankreich
 

Pariser Attentäter war Linksterrorist

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Foto einer Überwachungskamera: Der mutmaßliche Täter ist der Polizei bekannt Foto: picture alliance / dpa

PARIS. Der mutmaßliche Attentäter von Paris ist ein verurteilter Linksextremist. Laut Innenminister Manuel Valls handelt es sich bei dem 48 Jahre alten Mann um Abdelhakim Dekhar. Ihm wird vorgeworfen, am Montag in der Redaktion der linksliberalen Zeitung Libération einen Fotografen mit einer Schrotflinte niedergeschossen und dabei schwer verletzt zu haben. Stunden später feuerte er auch auf ein Gebäude der Bank Sociéte Générale in einem Pariser Büroviertel, traf aber niemanden.

Dekhar wurde in einer Tiefgarage im Pariser Vorort Bois-Colombes verhaftet. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen berichtet, sei Dekhar bei seiner Verhaftung nur noch halb bei Bewußtsein gewesen. Es wird ein Selbstmordversuch mit Medikamenten vermutet. Der mutmaßliche Täter selbst ist noch nicht vernehmungsfähig. Abgleiche seiner DNA hätten aber bereits seine Anwesenheit an beiden Tatorten nachgewiesen.

Erinnerungen an die Affäre Maupin und Rey

In Frankreich werden nun Erinnerungen an die Affäre um das linksextreme Terroristenpaar Audry Maupin und Florence Rey wach. Der damals 22 Jahre alte Mann und seine neunzehnjährige Geliebte wollten 1994 den bewaffneten Kampf gegen den Staat aufnehmen. Doch bereits der Versuch eines Banküberfalls ging schief. In einer Schießerei starben drei Polizisten, der Fahrer eines gekidnappten Taxis und Maupin selbst. Dekhar hatte dem Gangsterpaar zuvor Waffen verschafft.

Das attraktive Paar, welches Haß auf den damaligen Front-National-Vorsitzenden Jean-Marie Le Pen als Motiv angab, wurde in der Folgezeit zu einer Ikone des französischen Linksextremismus. 1998 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt wurde Rey wegen guter Führung bereits 2008 entlassen. Für ihre Morde hat sie sich nie entschuldigt. Dekhar erhielt wegen Beihilfe vier Jahre Haft, konnte aber den Gerichtssaal als freier Mann verlassen, da ihm die Untersuchungshaft angerechnet wurde.

„Er ist ein rätselhafter, seltsamer Mann“, sagte seine damalige Anwältin gegenüber AFP. „Ich habe nie richtig gewußt, wer er war. Er hat behauptet, er arbeite für den französischen oder den algerischen Geheimdienst. Er war sehr diskret, gab nichts von sich preis.“ Zeugen hatten Dekhar in dem Prozeß als eigentliches Gehirn der Gruppe belastet. Maupin und Rey selbst sollen zumindest teilweise vom französischen Geheimdienst überwacht worden sein. (FA)

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