„Eine goldene Nase verdient“

Ich habe keinen Anlaß für ein schlechtes Gewissen“, erklärte der frühere CSU-Chef Erwin Huber am Wochenende in der Süddeutschen Zeitung. „Natürlich ist im nachhinein gesehen der Kauf der Hypo Alpe Adria eine Fehlinvestition gewesen. Aber was der Verwaltungsrat prüfen konnte, hat er geprüft“, so der damals für die Bayerische Landesbank zuständige Ex-Finanzminister. „Wir haben doch Expertisen von Wirtschaftsprüfern eingeholt. Wenn mir damals auch nur einer geschrieben hätte: ‘Vorsicht bei der Hypo Alpe Adria’, dann wäre ich jedem Anhaltspunkt nachgegangen“, versicherte Huber. Er habe seine Aufgaben als Verwaltungsrat stets gewissenhaft erfüllt.

Doch der Fall Hypo Group Alpe Adria (HGAA) ist mehr als ein 3,7-Milliarden-Euro-Desaster im Zuge der Weltfinanzkrise. Denn begonnen hat das Drama bereits 2006, als der Glaube an die Verheißungen der Finanzmärkte noch ungebrochen war. Der US-Finanzinvestor Cerberus gewann damals den milliardenschweren Bieterstreit um die österreichische Pleitebank Bawag (JF 31-32/06). Die Bayern LB ging leer aus. Als Alternative für die angestrebte Geschäftsausweitung nach Südosteuropa präferierte der damalige Bayern-LB-Chef Werner Schmidt die HGGA. Diese Bank, die Mitte 2007 für 1,6 Milliarden Euro mehrheitlich in den Besitz der Bayern LB kam, erwies sich als Faß ohne Boden.

Sie mußte im Dezember 2009 notverstaatlicht werden. Die bisherigen Eigner verkauften dem österreichischen Staat ihre Anteile für einen Euro und sagten ihre Hilfe bei der Sanierung zu: Bayern stellte 825 Millionen Euro bereit, die Grazer Wechselseitige 30 Millionen Euro und das Land Kärnten 200 Millionen Euro. Unter anderem hatten riskante Immobilien- und Leasing-Geschäfte die HGAA in Not gebracht. Sogar der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, soll sich in die Verhandlungen eingeschaltet haben. Trichet habe vor einem Dominoeffekt gewarnt, erklärte damals der österreichische Finanzminister Josef Pröll (ÖVP). Als „systemrelevante“ Bank hätte eine HGAA-Pleite möglicherweise zum Zusammenbruch des Bankensektors in Österreich und darüber hinaus geführt.

„Nullrisiko gibt es leider im Geschäftsleben nicht“, sagt der Diplomvolkswirt Huber – und es gibt nicht nur ehrbare Kaufmänner, wäre hinzuzufügen. „Ich fühle mich vor allem deshalb getäuscht, weil sich private Investoren offenbar am Verkauf der Hypo Alpe Adria eine goldene Nase verdient haben“, klagte er in der Süddeutschen. Doch dies sei 2007 (wenige Monate, bevor die IKB und die Sachsen LB in die Krise gerieten) nicht erkennbar gewesen.

Wer die privaten und institutionellen Investoren waren, die auf Initiative des Vermögensberaters Tilo Berlin kurz vor dem Einstieg der Bayern LB vermeintlich unterbewertete HGAA-Aktien gekauft hatten, war kürzlich im Wiener Magazin Profil zu lesen. Für die prominenten Namen sollte es nur ein kurzfristiges Investment werden: „Wir haben Anteile an der Hypo Alpe Adria vom Land Kärnten und der Gruppe des Investors Tilo Berlin zum gleichen Preis gekauft“, verriet Huber. Er habe aber nicht gewußt, „daß Investoren der Berlin-Gruppe erst kurz vorher Aktien der Hypo Alpe Adria billig gekauft haben, um sie uns dann teuer zu verkaufen“.

Einen dreistelligen Millionengewinn soll das Spekulationsgeschäft der Investorengruppe beschert haben. Tilo Berlin stieg zudem 2007 zum HGAA-Chef auf. Doch das Banker-Glück währte nur kurz. Im März 2008 mußte Werner Schmidt im Zuge der Fehlspekulationen der Bayern LB mit US-Schrottpapieren sein Amt aufgeben. Tilo Berlin blieb immerhin bis April 2009 auf seinem Posten.

Die damaligen Vorgänge beschäftigen inzwischen die bayerische Staatsanwaltschaft, die unter anderem gegen Schmidt und Berlin ermittelt. Der neue Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) hat dem bayerischen Steuerzahler kürzlich sogar Hoffnung gemacht, daß für ihn alles doch nicht so teuer wird wie befürchtet. Sogar von einer Rückabwicklung des damaligen Kaufs durch die BayernLB ist die Rede. Denn, so Fahrenschon, wenn der Kauf der HGAA „auf Lug und Trug aufgebaut“ gewesen sei, „dann wäre nachträglich die Geschäftsgrundlage entzogen“.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer will juristisch eventuell auch gegen die damaligen Wirtschaftsprüfer und Berater vorgehen. Die Staatsanwaltschaft im kroatischen Zagreb ermittelt wegen des Verdachts der Geldwäsche. Angesichts dessen sind fragwürdige Millionenspenden an österreichische Parteien im Zuge der HGAA-Übernahme wohl wirklich nur „Peanuts“.

Foto: HGAA-Hauptsitz in Klagenfurt: Den Bayern zu teuer verkauft?

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