Schwimmbadbesuch mit schmerzhaften Folgen

Bedächtig schüttelt Oliver Kloth den Kopf. Noch immer kann der 40jährige Jurist kaum fassen, was ihm am 22. Juni vorigen Jahres widerfahren ist. Seine Nase ist heute ein wenig schief: eine Folge jener Schläge, die ihm der Kosovo-Albaner Kastriot M. (35) zugefügt hatte. Dabei sollte der 22. Juni eigentlich ein schöner Tag für Oliver Kloth werden. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Simone Wörner (32) und seinen sieben und fünf Jahre alten Töchtern hatte er an diesem Sonntag das örtliche Schwimmbad aufgesucht. Doch der Sprung ins kühle Naß sollte schwere Folgen für ihn haben. „Du hast mich naßgespritzt“, hatte sich Kastriot M. über Kloth beschwert. „Damit müssen Sie rechnen, wenn Sie da am Beckenrand sitzen“, entgegnete der Gescholtene und schwamm seine Bahnen. Als er später wieder aus dem Wasser stieg und auf die Liegewiese zu seinen zwei Kindern und seiner Lebensgefährtin zurückkehren wollte, wurde er von dem Kosovo-Albaner attackiert. „Der Angriff erfolgte so unvermittelt, daß dem Opfer keine Möglichkeit blieb, auszuweichen oder sich zu verteidigen“, erinnert sich ein Zeuge, der den Vorfall aus unmittelbarer Nähe beobachtet hatte. „Ich sah, wie ein großer muskulöser Mann ohne jeglichen erkennbaren Grund und aus meiner Sicht ohne jegliche Vorwarnung einen Mann überfiel.“ Der Täter habe mit beiden Fäusten und mit voller Wucht in das Gesicht des Attackierten geschlagen, bis dieser blutend zu Boden ging. Die Wucht und die Brutalität der Tat habe ihn und alle Umstehenden zutiefst schockiert, so der Zeuge weiter, der das Geschehen von einer Sitzbank vor dem Schwimmbad aus gemeinsam mit seiner Frau genau verfolgen konnte. Der Täter soll mit dem Angriff geprahlt haben Auch als Kloth bereits am Boden lag, soll Kastriot M. nicht von ihm abgelassen und auf den Körper des Opfers „mit voller Wucht“ eingetreten haben. Erst als sich andere Badegäste einmischten und ihn zur Rede stellten, habe M. von Kloth abgelassen. Zudem soll der Angreifer in Begleitung eines Türken gewesen sein, der von sich aus nichts unternommen habe, um Kastriot M. zu stoppen. Im Gegenteil: Das Opfer sei selbst schuld, weil es M. naßgespritzt habe, soll er gesagt haben. Auch M. schien den Beobachtungen des Zeugen zufolge seine Tat für in Ordnung zu halten. Das habe die umstehenden Badegäste mindestens genauso schockiert wie die Tat selbst. Er selbst habe noch nie so unmittelbar mitbekommen, wie in aller Öffentlichkeit eine Person so rücksichtslos zusammengeschlagen und zusammengetreten wurde. Eine weitere Zeugin will zudem gesehen haben, wie M. später mit seiner Tat sogar geprahlt habe. Oliver Kloth selbst beschreibt den Kosovo-Albaner und den Türken als kräftig gebaut, „Bodybuilder-Typen“. Noch heute hat er Angst-Attacken, Schlafstörungen mit Alpträumen, Konzentrationsstörungen sowie Kopf- und Rückenschmerzen, sagt er. Er spricht von einer anonymen SMS, die ihm zugesandt wurde und in der ihm damit gedroht wurde, ihm das Augenlicht auszulöschen. Zudem sei er gewarnt worden, den Fall weiterzuverfolgen, da M. über gute Kontakte zur Polizei verfüge. „Früher dachte ich immer, so etwas passiert ab und zu mal. Aber daß es mich selbst treffen würde hätte ich nicht für möglich gehalten“, erzählt Kloh, der in Teningen eine Anwaltskanzlei betreibt – vor allem nicht hier, in einer südbadischen 11.000 Seelen-Gemeinde am Rande des Schwarzwalds. Das Opfer fühlt sich an die U-Bahn-Schläger von München erinnert, als der Rentner Bruno N. am 20. Dezember 2007 von einem Griechen und einem Türken brutal zusammengetreten worden war. Die Videokamera der U-Bahn-Station Arabellapark hatte die Tat damals aufgezeichnet. Der 76jährige benannte sie während des im Sommer vorigen Jahres vor dem Landgericht München stattfindenden Prozesses als seinen besten Zeugen. Das Video gelangte in die Medien, Millionen Menschen konnten die schreckliche Tat sehen. Die Empörung war groß, das Landgericht verurteilte die Täter zu zwölf und achteinhalb Jahren Haft. Von der Attacke gegen Oliver Kloth gibt es keine Video-Aufzeichnung. Die wäre eigentlich auch gar nicht notwendig gewesen. Zahlreiche Badegäste hatten den Vorfall mitverfolgt. „Aber die meisten sind von der Polizei gar nicht vernommen worden“, beklagt sich Kloth. Der Emmendinger Polizeipressesprecher Rocco Braccio bestätigt das gegenüber der JF. „Es war Wochenende, da ist das Personal knapp“, erklärt er. Zeugen wollen zudem gehört haben, wie sich der Albaner mit den Polizisten vertraulich unterhalten und sie sogar geduzt hätten. Braccio: „Es ist durchaus möglich, daß der Mann persönliche Kontakte zu Kollegen pflegt.“ Allerdings habe dies keinen Einfluß auf die Ermittlungen gehabt. Das sei überprüft worden, betont der Beamte. Als Kloth zwei Tage später die Lokalausgabe der Badischen Zeitung aufschlägt, kann er kaum glauben, was er dort liest. „Am Sonntag kam es gegen 12.45 Uhr zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Badegästen“, hieß es dort. Die Meldung war von der Polizeipressestelle an die Zeitung geschickt worden, hatte Kloth auf Nachfrage erfahren. Die Staatsanwaltschaft hatte zwischenzeitlich auch gegen ihn ermittelt. Das Verfahren wurde jedoch ebenso eingestellt wie das gegen M.s türkischen Bekannten. Gegen den Albaner wird demnächst wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Emmendingen verhandelt. Ein Termin steht derzeit noch nicht fest.

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