Frontalangriff auf konservative Katholiken

Wir sind Papst“, hatte die Bild-Zeitung gejubelt, als Jo­seph Kardinal Ratzinger zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde. Jetzt kippte die Springer-Presse alles aus, was sie an Häme aufzubieten hatte: „Ausgerechnet ein deutscher Papst“ habe „einen schweren Fehler“ gemacht, empörte sich Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner in der Bild: „Der Papst muß seinen Fehler korrigieren, die Entscheidung zurücknehmen und sich entschuldigen.“ Entschuldigen soll sich das Kirchenoberhaupt für die Aufhebung der Exkommunikation eines englischen Bischofs, der zur Piusbruderschaft zählt und den Holocaust leugnet. Der Opportunist Döpfner hätte es nie gewagt, sein Flaggschiff Bild, das sonst Volksbibeln verkauft und einen regelrechten Benedikt-Kult betreibt, gegen den Papst in Stellung zu bringen, wenn ihm der Weg nicht von der Politik gewiesen worden wäre. Das hatte die Bundeskanzlerin höchstselbst übernommen, als sie feststellte: „Ich glaube, es ist schon eine Grundsatzfrage, wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entsteht, daß es eine Leugnung des Holocaust geben könnte.“ Merkel weiter: „Es geht hier darum, daß von seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, daß es keine Leugnung geben kann und daß es natürlich einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt geben muß. Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.“ Die Frankfurter Allgemeine wunderte sich und titelte: „Wie zu Bismarcks Zeiten“. Der Kirchenkampf des 19. Jahrhunderts schien wieder lebendig zu werden. Der Papst hatte vier Bischöfe wieder aufgenommen; daß darunter ein „britischer Exzentriker“ (so zitierte die Welt aus dem Vatikan) war, wußte Benedikt nicht, wird glaubhaft versichert. Der Welt-Korrespondent Paul Badde, der Vatikan und Kirche wie kein Zweiter kennt, versicherte, die vatikanische Kommunikationspanne sei darauf zurückzuführen, daß der Privatsekretär des Papstes, Monsignore Georg Gänswein, hohes Fieber hatte und das Bett hüten mußte. Gänswein hätte den kommunikativen GAU verhindert. Der Vatikan schob inzwischen eine Erklärung nach, in der Williamson aufgefordert wird, seine Behauptungen zurückzunehmen. Für die deutsche Politik und für deutsche Katholiken ist das Thema längst nicht erledigt. Noch nie habe ein Regierungschef der Bundesrepublik den Vatikan so scharf kritisiert wie „die ostdeutsch sozialisierte protestantische CDU-Politikerin“, schrieb Günter Bannas in der FAZ. Sie habe den Papst behandelt „wie einen Ministerpräsidenten“ und sich geäußert, als gebe es einen relevant großen Antisemitismus in der katholischen Kirche. In Merkels Partei war man zwar zutiefst erschrocken, aber die erste Reihe der Unionspolitiker schwieg eisern. Einzige Ausnahme blieb Bundestagspräsident Norbert Lammert, der im Hamburger Abendblatt feststellte: „Vieles, was dem Papst jetzt unterstellt wird, ist beinahe bösartig, jedenfalls nicht redlich.“ Lammert weiter: „Zweifel an der Position der katholischen Kirche und des Papstes halte ich in der Sache für völlig unbegründet.“ Mit Blick auf Merkel fügte Lammert hinzu: „Die nächste öffentliche Aufforderung an den Vatikan, wie er sich gefälligst verhalten müsse, ist sicher nicht hilfreich.“ Was Merkel vom Zaun gebrochen hat, ist mehr als nur eine der üblichen Kampagnen und nicht nur mit ihrer Sozialisation in der FDJ zu erklären. Die Kanzlerin hat ihre Äußerungen sehr bewußt gemacht. In tagesaktuellen Fragen schien ihr die Gelegenheit günstig, von Versagen ihrer Regierung in Wirtschaftsthemen abzulenken und den Papst zu attackieren, womit ihr der Beifall linker und antiklerikaler Kräfte gewiß war. Langfristig handelt es sich um eine weitere Wegmarke zum Ziel, aus der CDU eine andere Partei zu machen. Nachdem die Konservativen in der Partei weggebissen worden sind, kommen jetzt die konservativen Katholiken dran. Und als konservative Katholiken kommen diejenigen in Betracht, die rechts von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) stehen – das dürften fast alle sein. Risiken sieht Merkel nicht: Für Katholiken gibt es keine wählbare Alternative zur CDU. Der CDU-Abgeordnete Georg Brunn­huber, der dem einflußlosen Kardinal-Höffner-Kreis im Bundestag angehört, sagte nach seiner Rückkehr aus Rom: „Im Vatikan ist man über die Diskussion in Deutschland geradezu entsetzt. Es herrscht der Eindruck, daß alle antikatholischen Ressentiments, die in Deutschland schlummern, jetzt an die Öffentlichkeit kommen.“ Der CDU-Abgeordnete Willy Wimmer kritisierte Merkel, sie habe den Papst in eine Ecke gestellt, in die er nicht gehöre. Natürlich kann es nicht gutgehen, den Vatikan öffentlich Mores zu lehren und sich gegen den katholischen Teil Deutschlands zu stellen. Der Volksmund weiß: Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen.

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