Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Der dritte Vorsitzende

Der Sohn der früheren Premierministerin Benazir Bhutto, Bilawal Bhutto Zardari, wurde am 30. Dezember zum Vorsitzenden der Pakistanischen Volkspartei PPP ernannt. Somit ist der 19jährige der jüngste PPP-Chef in der Geschichte Pakistans und setzt damit das Werk seiner Vorfahren fort. Er ist das dritte Mitglied dieser einflußreichen Familie, das an die Spitze der PPP gelangt, die 1967 von seinem Großvater Zulfikar Ali Bhutto gegründet wurde. Benazir Bhutto hatte zwar angeblich testamentarisch festgelegt, daß ihr Ehemann Asif Ali Zardari den PPP-Vorsitz übernehmen soll. Doch der hat er seinem Sohn das Amt angetragen, er übernimmt offiziell nur die Stellvertretung. Trotz des noch unaufgeklärten Mordes an Benazir Bhutto hat die PPP entschieden, an den Parlamentswahlen, welche nun voraussichtlich am 18. Februar 2008 stattfinden, teilzunehmen. Benazir Bhuttos enger Berater Sherry Rehman sagte, Bilawal stehe kurz vor der Beendigung seiner Studienzeit in Oxford, was seinen Vorsitz bei der PPP jedoch nicht unmöglich mache, denn er könne für diese kurze Zeit vertreten werden, was wohl sein Vater Zardari so lange übernehmen wird. Doch dieser genießt in Pakistan keinen guten Ruf, denn während Benazir Bhuttos Amtszeit bis 1996 soll er viele Schmiergelder erhalten haben. Des weiteren gehen Experten davon aus, daß er beim Mord an seiner Frau sogar die Finger im Spiel hatte. Auch die Tatsache, daß Bilawal nun den Parteivorsitz innehat, scheint mehr ein politischer Schachzug zu sein, da die Gefahr eines Attentats sehr hoch ist und er sich bei den anstehenden Wahlen aufgrund seines Leumunds keine großen Chancen ausrechnet. Schon vor den Wahlen wurde versucht, Bilawal Bhutto Zardari zu diskreditierten. So wurde für ihn auf der Internetplattform Facebook (eine internationale Seite für Studenten, auf welcher diese ihre Profile und Meinungen veröffentlichen können) ohne sein Wissen ein getürktes Profil für ihn erstellt. Ein Facebook-Nutzer namens „Tonay“ zeigte sich für die Erstellung und die dadurch verbreiteten Falschaussagen verantwortlich, Medien­agenturen übernahmen diese Informationen unüberprüft – selbst internationale Qualitätsblätter fielen auf die Lügengespinste herein. Tonay selbst hält dies für einen Spaß, doch viele sind der Ansicht, daß es sich statt dessen um gezielt gestreute Propaganda der pakistanischen Regierung handelt. Bilawal (sein Name bedeutet „der Unvergleichliche“) kam am 21. September 1988 zur Welt. Nachdem seine Familie ins Exil mußte, besuchte er die Rashid School For Boys in Dubai. Dort absolvierte er sein GCSE-Examen mit großem Erfolg. Derzeit studiert er Politikwissenschaften an der Oxford University. Wie auch sein Vater reitet er gerne. Er teilt die Leidenschaft des gesamten Bhutto- und Zardari-Clans für Jagen und Schießen. Er ist ein begeisterter Sportler und besitzt einen schwarzen Gürtel in Taekwondo. Bilawal hat zwei jüngere Schwestern, Bakhtawar und Aasifa. Ob er wirklich das Werk seiner Mutter Benazir weiterführen kann, bleibt abzuwarten.

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