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Die Alphaquelle ist versiegt

Nach sechs Jahren Arbeit im „Kampf gegen Rechts“ hat der „Informationsdienst gegen Rechtsextremismus“ (IDGR), seinen Betrieb eingestellt. Damit verschwindet ein Netzwerk, dessen Hauptanliegen es war, alles, was sich nicht deutlich genug links von der politischen Mitte positionierte, dem Verdacht des Rechtsextremismus auszusetzen.

Eingerichtet wurde der IDGR im Jahr 2000 von der Politikwissenschaftlerin Margret Chatwin. Ihr Ziel war es, im Internet eine umfassende Informationsdatenbank zum Thema Rechtsextremismus zu erstellen. Und Chatwin „informierte“ eifrig. Über Rechtsextremisten, vermeintliche und wahre Holocaustleugner, Burschenschaften, konservative Publizisten und Historiker, Einrichtungen wie das Institut für Staatspolitik oder das Studienzentrum Weikersheim, sowie verschiedene Zeitschriften. Auch die JUNGE FREIHEIT fand Beachtung beim IDGR. Chatwin und ihr Informationsdienst wurden nicht müde, vor den angeblich gefährlichen Methoden des „neurechten Strategieorgans“ zu warnen. Gerade hier entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit dem „Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung“ (DISS).

Der IDGR gilt als Musterbeispiel eines fast unüberschaubaren Netzwerks aus führenden linken Medien, antifaschistischen und linksextremen Initiativen sowie staatlich geförderten Anti-Rechts-Projekten. Wechselseitiges Zitieren und gegenseitige Alimentierung als selbstverständlicher Bestandteil. Als Quelle dienten dem IDGR unter anderem Autoren linker Publikationen wie Jungle World, Antifaschistische Nachrichten, oder Neues Deutschland. Das tat der „Seriosität“ des IDGR jedoch keinen Abbruch. Auch öffentlich-rechtliche Medien nutzten seine Informationen, etwa die Sendungen“Zapp“ und „Pano-rama“. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung scheute nicht davor zurück, in ihren Publikationen auf den IDGR zu verweisen. Sogar Parteien nutzten die durch den IDGR hervorgebrachten „Erkenntnisse“. So stützte sich eine Anfrage mehrerer baden-württembergischer SPD-Landtagsabgeordneter unter der Federführung von Stephan Braun zu einem vermeintlich rechtsextremen Stuttgarter Bauunternehmer im August dieses Jahres an das Innenministerium von Baden-Württemberg hauptsächlich auf Behauptungen des IDGR. Durch diese Anfrage, in der in mehreren Passagen der IDGR als Quelle angegeben wurde, kam diesem die Position eines staatlich legitimierten Informationsdienstes zu. Hierbei schien es wenig zu kümmern, wer die Informationen für den IDGR überhaupt zusammentrug, die dann bundesweit als unangreifbare Alphaquelle durch die Medienlandschaft geisterten und wohl auch weiterhin ihre Gültigkeit behalten werden. Ein interessantes Beispiel hierfür ist der IDGR-Stammautor Gernot Modery, besser bekannt unter seinem Pseudonym „Anton Maegerle“ (JF 14/06). Modery war außer in tendenziell linksextremen Zeitungen wie Der Rechte Rand und Junge Welt auch Autor bei der taz und der Frankfurter Rundschau.

Im Internet begründet Chatwin die Schließung damit, daß heute „kommerzielle Unternehmungen ihren Profit“ aus den „Pionierleistungen“ des IDGR zögen und die „ursprüngliche Idee des Internet zusehends vermarktet und zu Grabe getragen“ würde. In Anbetracht dessen, daß IDGR über Jahre hinweg aufs engste mit kommerziellen Unternehmen wie dem Stern und diversen Verlagen zusammengearbeitet hat, klingt das eher unglaubwürdig. Eine andere Erklärung liegt da schon näher. Seit die Bundesregierung jährlich 19 Millionen Euro für den „Kampf gegen Rechts“ ausgibt, hat sich die Anzahl sogenannter Informationsdienste vervielfacht und die Monopolstellung des IDGR somit erledigt. Insofern darf die Einstellung nicht überwertet werden. Die Lücke wird wohl schon bald durch mehrere aus der gleichen Quelle gespeiste Sumpfblüten geschlossen werden.

(Aktualisierte Fassung vom 21.12.2007)

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