Joachim Kuhs

 

„Verächtlichmachung des deutschen Soldaten“

Herr Mölders, wie haben Sie davon erfahren, daß Ihr 1941 tödlich verunglückter Bruder Werner Mölders nach über 30 Jahren nicht mehr für würdig befunden wird, Namenspatron für eine Kaserne und ein Jagdgeschwader der Bundeswehr zu sein? Mölders: Wir mußten das von Bekannten erfahren, die uns mitteilten, was sich da anbahnte. Das Bundesministerium der Verteidigung rechtfertigt seine Maßnahmen mit der Zugehörigkeit Ihres Bruders zur Legion Condor ab 1938, deren Angehörige laut eines Beschlusses des Deutschen Bundestages von 1998 als nicht mehr „des ehrenden Gedenkens würdig“ gelten (JF berichtete mehrfach) – wegen Operationen wie etwa dem Bombenangriff auf die Brücke von Guernica. Mölders: Diese Konstruktion ist absurd und zeigt nur, daß es darum geht, den ganzen Krieg zu kriminalisieren. Wäre das unzulässig? Mölders: Mein Bruder hat sich zur Legion Condor gemeldet, weil er aufgrund seiner katholischen Prägung unter anderem durch den nationalgesinnten katholischen Jungenbund „Neudeutschland“ den Bürgerkrieg in Spanien als Kampf des christlichen Abendlandes gegen dem Kommunismus verstanden hat – was einiges für sich hat. Heute betrachten wir den Spanischen Bürgerkrieg als Ouvertüre zum Zweiten Weltkrieg. Bitte! – Aber man muß die Deutung von heute von der Deutung der damals Beteiligten unterscheiden! Alles andere ist unredlich. Zudem war Guernica nicht der Terrorangriff, als der er heute immer dargestellt wird, wie mir der ehemalige Mitarbeiter und Luftkriegsexperte des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Freiburg, Horst Boog, versichert hat. Guernica war eine militärische Operation in den Grenzen des Kriegvölkerrechts (JF 19/97). Daß der Einsatz gegen die Brücke von Guernica nachträglich kriminalisiert wird, zeigt, worum es – wohl auch bei der Umbenennung – wirklich geht. „Schändung der Grabstätte meines Bruders in Berlin“ Und das wäre? Mölders: Es geht um die Verächtlichmachung des deutschen Soldaten überhaupt. Ja, ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, des Soldaten an sich – egal, welcher Nation er angehört. Es geht darum, daß die traditionellen Soldatenmotive – Vaterlandsliebe, Verteidigung der Heimat, soldatische Ehre und Treue – nichts mehr gelten sollen. Diese Werte werden heute nicht mehr verstanden, weil die Leute nichts mehr von Geschichte wissen. Deshalb erscheinen die Soldaten der Wehrmacht vielen jungen Leuten – müssen ihnen geradezu so erscheinen, und das ist den Umbenennern gerade recht – als Verbrecher. In diesem Zusammenhang steht auch die Schändung der Grabstätte meines Bruders auf dem Berliner Invalidenfriedhof. Sie sehen einen Zusammenhang zischen der Maßnahmen des Ministeriums und den Schmierereien an der Grabstätte Ihres Bruders? Mölders: Natürlich, die Schmierfinken können sich doch aufgrund der Initiative des Herrn Verteidigungsministers als Vollstrecker einer „gerechten Sache“ fühlen. Das waren doch bestimmt junge Leute – die kommen doch nicht von alleine auf so etwas! In der „Deutschen Militärzeitschrift“ weisen amerikanische und britische Jagdflieger auf das Ansehen hin, daß Ihr Bruder bis heute in ihren Ländern genießt, verteidigen ihn gar als „militärisches Vorbild“ und „deutschen Helden“. Mölders: Es ist typisch, daß deutsche Soldaten heute nur noch im Ausland Ehrung erfahren. Es ist eine Schande! Ob Spanier, Franzose oder Deutscher – auf allen Seiten kämpften Soldaten, die sich, wie mein Bruder – der deshalb auch sowohl die Kirchenfeindschaft der Nationalsozialisten wie die Judenverfolgung ablehnte – als christliche Soldaten verstanden. Unter diesen Gegnern gab und gibt es deshalb noch gegenseitige Achtung und Ritterlichkeit. Sie wollen sich in einem Offenen Brief an Minister Struck wenden. Erwarten Sie, daß der Beschluß eventuell doch noch revidiert wird? Mölders: Nein, im Gegenteil, die machen doch immer weiter so! Mein Bruder ist nicht der erste und nicht der letzte. Aber die Familie Mölders gibt sich nicht ohne Gegenwehr geschlagen. Mein Vater ist 1915 für Deutschland auf dem Felde der Ehre gefallen, mein Bruder 1941 im Dienst für Deutschland verunglückt. Meine Aufgabe ist es, das Andenken meines Vaters und meines Bruders als deutsche Soldaten zu verteidigen. Foto: Werner (l.) und Victor Mölder (r.), im Kriegsjahr 1940: Beide Brüder dienten als Jagdflieger im selben Geschwader der Luftwaffe Victor Mölders , Jahrgang 1914, ist der Bruder der Fliegerlegende „Vati“ Werner Mölders. Ebenfalls Jagdflieger – Staffelkapitän im Geschwader seines Bruders -, wurde er 1940 über England abgeschossen und geriet in Kriegsgefangenschaft. 1946 kehrte er zurück und wurde Architekt. weitere Interview-Partner der JF

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles