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Ungeliebte Heimkehrer

Kriminelle, Gewalttäter, Alkoholiker, Drogenhändler – Deutsche aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion haben im Land ihrer Väter keine gute Presse. In der öffentlichen Wahrnehmung erscheinen rußlanddeutsche Aussiedler nicht als Landsleute, die nach einer Odyssee des Leidens im 20. Jahrhundert Anspruch auf nationale Solidarität haben, sondern als lästiges Problem, das vorzugsweise möglichst weit draußen abzuwehren ist. Genährt wird die negative Grundeinstellung durch eine regierungsamtliche Informations­politik, die in der alljährlichen Senkung der Aufnahmezahlen ihren größten Erfolgsnachweis sieht, und durch eine Berichterstattung in den Medien, für die Deutsche, die aus Rußland oder anderen GUS-Staaten heimgekehrt sind, hauptsächlich dann zum Thema werden, wenn sie etwas ausgefressen haben oder in Konflikt mit „Alteingesessenen“ geraten. Der 28. August als Gedenktag des Stalinschen Deportations-Ukas von 1941, der die Rußlanddeutschen brutal dezimierte und in alle Winde zerstreute, ging wieder einmal unbemerkt vorüber. Um so hartnäckiger hält sich dafür in den Medien der Mythos von der „horrenden Kriminalitätsbelastung“ , der sich aus anklagender Presseberichterstattung, Auflistung spektakulärer Einzelfälle bei Stammtischdiskussionen und wissenschaftlichem Halbwissen speist. Oft wird das raunende Orakeln hierüber mit der Andeutung unterlegt, es gebe nicht einmal konkrete Zahlen über die Kriminalität von Aussiedlern, da diese als Deutsche in der Kriminalstatistik nicht gesondert geführt würden. Dagegen hat bereits im Jahr 2000 die Kriminologische Forschungsgruppe der Bayerischen Polizei in einer Auswertung der Kriminalstatistik und der Kriminalakten von Aussiedlern in fünf ausgewählten Regionen in einer Studie festgestellt, die Quantität der Aussiedlerkriminalität sei „nicht besorgniserregend“ und biete keinen Anlaß zur Dramatisierung; im Vergleichszeitraum seien Aussiedler ähnlich hoch mit Kriminalität belastet gewesen wie Deutsche. Die aktuelle Statistik über die organisierte Kriminalität in Deutschland geht in dieselbe Richtung: 3,6 Prozent der Tatverdächtigen sind Aussiedler aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion; weniger, als ihr tatsächliche Bevölkerungsanteil ausmacht, und in jedem Fall nicht zu vergleichen mit den überproportional dominierenden türkischen Tatverdächtigen. Verbitterung herrscht bei vielen Rußlanddeutschen vor allem über die als diskriminierend empfundenen Sprachtests für ausreisewillige Heimkehrer und ihre Angehörigen, die als Aufnahmevoraussetzung im Ausreiseland durchgeführt werden. „Hier findet rußlanddeutsche Emanzipation statt“ Das zwischen Union und Rot-Grün ausgehandelte „Zuwanderungsgesetz“ zementiert und verschärft diese Zumutungen. Jochen-Konrad Fromme, Aussiedlerbeauftragter der CDU/CSU, kritisiert als vereinzelte Stimme in seiner Partei, daß „Deutsche und ihre Angehörigen erheblich schlechter behandelt werden als nichtdeutsche Migrationswillige“. Deren Angehörige können auf dem Familienzusammenführungs-Ticket ohne jede weitere Voraussetzung einwandern. Offensichtlich beschränkt sich der Mut der großen Parteien beim Aufrichten von Hürden für den Zuzug nach Deutschland auf Angehörige des eigenen Volkes. Für die mitgliederstarke Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland war das Zuwanderungsgesetz eine schwere Niederlage, die sie ein weiteres Mal als lahme Lobby entlarvt hat. „Ohne die Landsmannschaft wäre es noch viel schlimmer geworden“, lautet der hilflose Protest in der neuesten Ausgabe des Verbandsorgans Volk auf dem Weg. Zeitschrift und Verband atmen den betulichen Geist einer CDU-Vorfeldorganisation der achtziger Jahre; wer den Internetauftritt der Landsmannschaft anwählt, wird mit langatmigen und bilderreichen Berichten vom Bundestreffen vor drei Monaten in Karlsruhe empfangen. Das Unbehagen vieler Rußlanddeutscher über ihre in PR-Dingen wenig aktive Interessenvertretung formiert sich ebenfalls im Netz. „Hier findet die rußlanddeutsche Emanzipation statt!“ verkündet etwa die Seite Rußlanddeutsche-Online, die nach eigenem Bekunden gegen „ethnisches Mobbing und Bossing in den Medien“, Sprachtests, politische Bevormundung, Scheinvertretung durch „Aussiedlerbeauftragte“ und gegen die „Sündenbockrolle“ der Rußlanddeutschen kämpfen will. Lena, eine in Kasachstan geborene deutsche Schülerin, formuliert im Forum der Seite, was augenscheinlich viele bewegt: „Dort war ich immer schlicht und einfach nur deutsch! Wollten die Kinder mich verletzen, so nannten sie mich ‚Faschist‘, ‚Hitler…‘ und ähnliches. Keiner von denen kam unbeschadet davon! Deshalb saß ich mit meinen Eltern mehr als einmal vor dem Direktor. (…) damals bei der Ausreise war ich so froh, nicht mehr dafür kämpfen zu müssen, daß man deutsch war. Und siehe da, ich tauschte das eine Übel gegen das Andere! Hier mußte ich idiotischerweise beweisen, daß ich Deutsche bin!!! Und da endete mein ‚Kampf‘ in Resignation.“ Deutschland, das sich in seiner Fernstenliebe gerade anschickt, weitere Milliarden für die Integration von Zuwanderern aus aller Herren Länder lockerzumachen, verweigert den heimgekehrten Rußlanddeutschen die wichtigste Integrationsvoraussetzung: das Gefühl, als Deutsche in Deutschland willkommen zu sein. Informationen: www.deutscheausrussland.de , www.russlanddeutsche-online.de Kontakt Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland e.V. Raitelsbergstraße 49, 70188 Stuttgart

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