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Skandal im Priesterseminar

Nach anonymen Hinweisen drang die Polizei am 12. Juli in die Räume des Priesterseminars von St. Pölten ein und beschlagnahmte sämtliche Rechner. Nicht etwaige „normale“ Pornos oder Männersex wollte man ahnden, sondern Bilder von abartigen Sexpraktiken mit Kindern. Denn nur das ist strafbar. Dabei fand man rund 40.000 Sexbilder, die einige Seminaristen auf ihren Festplatten hatten, darunter auch strafrechtlich relevantes Material. Besonders peinlich waren Bilder, auf denen Mitglieder des Seminars in homoerotischer Pose abgebildet waren. Seminarleiter, die ihre Schüler küssen bzw. an den Hosenlatz greifen, lösten eine Welle der Entrüstung im katholischen Österreich aus. Doch anstatt konsequent gegen die unmittelbar Verantwortlichen vorzugehen, begann die Diözesanleitung mit völlig unangebrachten Beschwichtigungen. Bischof Kurt Krenn, der auch außerhalb seiner Diözese als „Ultrakonservativer“ gehaßt und bewundert wird und sonst schärfste Worte gegen Homosexualität fand, bezeichnete die Vorgänge als „Bubendummheiten“. Und der stellvertretende Seminarleiter, Wolfgang Rothe, erklärte gar, „gewisse Zärtlichkeiten“ seien als angewandte Nächstenliebe zu deuten. Inzwischen hat er, ebenso wie sein Vorgesetzter Ulrich Küchl, seinen Posten geräumt. Nur Krenn scheint in keiner Weise bereit, Konsequenzen zu ziehen. Rücktrittsforderungen – auch von der Österreichischen Bischofskonferenz – weist er brüsk zurück. Die katholische Theologie kennt vier „himmelschreiende Sünden“, die als besonders schwerwiegend gelten. Diese sind Mord (Gen 4,10), Sodomie (Gen 18,20), Verweigerung des gerechten Arbeitslohnes und Unterdrückung der Armen (Jak 5,4). Mit Sodomie wurden früher homosexuelle Praktiken bezeichnet, heute eher Sex mit Tieren. Sie gilt als pervers, das heißt der Natur des Menschen entgegengesetzt. Jeder Christ ist aufgefordert keusch zu leben, womit ein sittlich und geschlechtlich geordnetes Verhalten gemeint ist. Für den Priester ist die zölibatäre Lebensweise gefordert, die ihm nicht nur das Heiraten, sondern jede geschlechtliche Betätigung verbietet. Im aktuellen Katechismus sieht man in der homosexuellen Veranlagung eine „besondere Prüfung“. Homosexuellen sei „mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen“. Auch sie sind „zur Keuschheit gerufen“, was in diesem Fall wohl völlige Enthaltsamkeit bedeutet. Ungeachtet dieser offiziellen Regelung breitete sich auch in der Kirche eine falsche Toleranz aus, die homosexuell empfindende Männer als geeignet für das Priesteramt ansah und die letztlich zu den „Bubendummheiten“ von St. Pölten führte, welche seit Tagen für Schlagzeilen sorgen. Erinnerungen an den Fall Groer werden wach. Als 1995 der Wiener Kardinal Hans-Hermann Groer sexueller Übergriffe auf junge Männer beschuldigt wurde und schließlich nach immer neuen Anschuldigungen zurücktreten mußte, rückten die österreichischen Bischöfe nach und nach von ihm ab, allein Bischof Krenn verteidigte bis zuletzt Groers Unschuld. Selbst wenn Krenn, wie er vorgibt, von den jetzigen Vorkommnissen nichts gewußt hat, wäre nach den ersten Verdachtsmomenten sofortiges Handeln von ihm gefordert gewesen. Offensichtlich hat Krenn, dem in jüngster Zeit mehrfach Alkoholabhängigkeit nachgesagt wurde, nicht nur die Gewalt über sein Priesterseminar, sondern auch den Blick für die Realität verloren. Bisher konzentrieren sich die polizeilichen Ermittlungen im St. Pöltener Priesterseminar auf einen 33 Jahre alten Seminaristen aus Polen, der verdächtigt wird, Kinderpornoseiten aus dem Internet heruntergeladen und gemeinsam mit anderen Priesterschülern angeschaut zu haben. Der Verdächtige sei bislang zwar nicht geständig, die Beweislast gegen ihn sei jedoch „erdrückend“, so der niederösterreichische Sicherheitsdirektor Franz Prucher. In seinem Zimmer soll auch jene Digitalkamera gefunden worden sein, mit der die belastenden Bilder der Seminaristen gemacht worden sind. Der polnische Seminarist hätte am 29. Juni zum Priester geweiht werden sollen, wurde aber wenige Tage zuvor von der Weihe ausgeschlossen. Insofern ist auch nicht ausgeschlossen, daß er sich mit dem Lancieren der Bilder rächen wollte. Für den Vatikan ist der Sex-Skandal ein absoluter Super-GAU. Papst Johannes Paul II. hat daher letzten Dienstag den Vorarlberger Bischof Klaus Küng zum Apostolischen Visitator für die Diözese St. Pölten und im speziellen für das diözesane Priesterseminar ernannt. Dies gilt als offizielle Mißtrauenserklärung an die Amtsführung des Bischofs. Der Visitator hat große Vollmachten. Krenn darf nun keine wichtigen Entscheidungen mehr selbständig treffen. Kurt Krenn, der früher in Rom gelegentlich mit dem Papst frühstückte, wurde vor 13 Jahren nicht nur gegen den Widerstand eines Teils des österreichischen Klerus zum Bischof ernannt, sondern er verkörperte bisher auch die theologisch-administrative Linie, die viele Neokonservative sich wünschen. Überhaupt scheint es eine tragische Diskrepanz zu geben zwischen dem „konservativen Netzwerk“, dessen Zentrum St. Pölten sein soll, und der Realität. Denn die Vorstellung ist absurd, wonach all die „fundamentalistischen“ Organisationen der Kirche, die sich in Krenns Diözese angeblich so zufrieden tummeln, letztlich päderastische Schwulenvereinigungen sein sollen. Der neue Seminarleiter Werner Schmid gehört der „Gemeinschaft des heiligen Josef“ an, die als betont konservativ gilt. Auch wurden in der Diözese in den vergangenen Jahren zahlreiche kirchliche Vereinigungen ansässig, die eine traditionelle Frömmigkeit pflegen. Diese lobenswerten Initiativen sind nun durch den Sex-Skandal nachhaltig in Verruf geraten. Auch deshalb müßte Krenn die Verantwortung übernehmen – und schnell seinen Platz räumen.

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