Seine Waffe war das Wort

Es gibt immer noch Deutsche, die sich an die beste Buchhandlung Estlands erinnern. Sie befand sich in Reval (Tallinn), in der Langstrabe (Pikk tänav) und trug den Namen Kluge und Ströhm. Estlands junge Generation (Marie Under, Friedebert Tuglas) wurde dort in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Das Antiquariat und die Buchhandlung schienen unerschöpflich, es roch nach Büchern, und die Bücher rochen und riechen auch heute noch nach Kluge und Ströhm. In dieser Umgebung wurde der Journalist Carl Gustaf Ströhm am 8. März 1930 geboren. Er verließ das Land nach dem Hitler-Stalin-Pakt und kam noch vor dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums zurück, als ob er eine längst vergessene Tür wieder öffnen wollte. Seine estnische Landsleute verdanken ihm eine Treue, die nur mit der Soldatentreue zu vergleichen ist. Estland lauschte seiner Deutschen Welle und las Die Welt und die JUNGE FREIHEIT. Er kämpfte für sein Land, also für sein Europa, aber seine Waffe war das Wort. Marienkreuzträger Carl Gustaf Ströhm, geboren in Reval, gestorben am 14. Juni 2004 in Wien, kann sich seiner ewigen Zukunft widmen in seiner Buchhandlung, seiner Stadt, seinem Staat, „…als wär’s ein Stück von mir“. Lennart Meri war bis 1992 Außenminister und bis 2000 Staatspräsident von Estland. Foto von Lennart Meri

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