Rumänische Gefängnisse Carl Gustaf Ströhm

Die Stadt Villach in Kärnten – bekannt als Bahnknoten und Faschingshochburg – hatte so etwas noch nicht erlebt: Eine Bande, von der die Polizei meint, sie stamme wahrscheinlich aus Osteuropa, brach mit großer Brutalität in ein Elektronik-Geschäft ein, indem sie mit einem zentnerschweren Kanaldeckel die Sicherheitsscheiben durchbrach. In wenigen Minuten räumten die Einbrecher die wertvollsten Geräte aus – und verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Dieses war der „Einstand“ der südländisch wirkenden Stadt im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien zur im Mai anstehenden EU-Osterweiterung – und es dürfte noch mehr nachkommen. Den Hauptansturm erwarten Österreichs Sicherheitsbehörden, wenn die Aufnahme der zehn EU-Kandidaten wirklich vollzogen ist. Doch schon jetzt läßt sich eine deutliche Verschlechterung der Sicherheitslage feststellen: zehn Prozent Zunahme bei schweren Einbrüchen und Raubüberfällen, wobei dann bald das Stichwort „Rumänien“ fällt. Schon das Gefälle im Lebensstandard zu den Nachbarn Tschechei, Slowakei, Slowenien und Ungarn ist derart hoch, daß es Jahre dauern dürfte, bis sich diese Lücke schließt. Während in Österreich der Durchschnittslohn bei monatlich 2.070 Euro liegt, beträgt er in der Tschechei 440 und in der Slowakei nur 270 Euro. Vergleicht man diesen Standard mit EU-Kandidaten der zweiten Reihe wie Rumänien oder Bulgarien, dann zählen die zehn neuen EU-Mitglieder bereits zu den Privilegierten. Der rumänische „Standard“ ist so erschreckend niedrig, daß immer noch verwahrloste Straßenkinder (und jugendliche Kriminelle) das Bilder der Hauptstadt Bukarest prägen. Für viele rumänische Bürger (darunter auch viele Zigeuner) ist die Reise ins gelobte Österreich – der Visumzwang wurde inzwischen aufgegeben – die einzige Chance, jemals zu etwas Geld zu kommen. Als „Touristen“ besteigen sie die Autobuslinien, die jeden Tag Bukarest mit dem „goldenen Wien“ verbinden. Die Österreicher verlangen zwar von jedem „Touristen“ den Besitz von 400 Euro nachzuweisen. Doch auch hier beweist sich rumänische Geschäftstüchtigkeit: Kurz vor der österreichischen Grenze zahlt der Busfahrer jedem seiner Passagiere 400 Euro aus, die nach der Grenze wieder eingesammelt werden. Einige der unternehmungslustigen „Gäste“ gehen während des Wien-Aufenthalts inzwischen „einschlägig“ vor: Handtaschenraub, gelegentlich ein kleiner Banküberfall – oder auch „große“ Vorhaben wie jetzt in Villach. Die „kleinen“ Kriminellen sind aber nur an Bargeld interessiert – Kreditkarten oder Sparbücher werden weggeworfen. Das Geld wird auf mehrere Köpfe verteilt, so daß es bei etwaigen Durchsuchungen nicht auffällt. So sehr ist das „Rumänenproblem“ zu einem Thema österreichischer Innenpolitik geworden, daß der parteilose (aber Haiders FPÖ nahestehende) österreichische Justizminister Dieter Böhmdorfer vorschlug, auf österreichische Kosten in Rumänien ein modernes Gefängnis zu bauen, in dem die in Österreich erwischten Rumänen ihre Strafe absitzen könnten. Staatspräsident Ion Iliescu war begeistert von dem Gedanken. Allerdings, selbst die schlimmste österreichische Haftanstalt ist – gemessen an einem originalgetreuen Bukarester Gefängnis – wie ein Luxushotel. Das offizielle Wien preist hingegen weiterhin die großen Segnungen der EU-Erweiterung. Wer’s glaubt, wird selig – bis zum nächsten Kanaldeckel.

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