„Oma, Opa und Hans-Peter“

Zu Beginn einer Veranstaltung zum 60. Jahrestag der Zerstörung von Frankfurts Alt- und Innenstadt durch anglo-amerikanische Bomberverbände am 22. März 1944 ist es in der vergangenen Woche zu massiven Störungen durch eine etwa dreißigköpfige Gruppe sogenannter „antideutscher Antifaschisten“ gekommen. Die Störer versuchten das Podium zu besetzen, um einen Vortrag von Jörg Friedrich zu verhindern. Der Berliner Historiker ist Autor der den Bombenkrieg gegen Deutschland thematisierenden Bücher „Der Brand“ und „Brandstätten“ (die JF berichtete mehrfach). Friedrich ließ sich jedoch von den Geboten der politischen Korrektheit nicht einschüchtern. Dank des tatkräftigen Einsatzes des Autors und des Veranstalters, aber auch einiger empörter älterer Besucher, von deren Mut sich manch jüngerer Teilnehmer, der dem Treiben der „Antifa“ ungerührt zusah, ein Scheibchen abschneiden sollte, gelang es, die Störer aus dem Saal zu vertreiben. Mit dem obligatorischen „Nie wieder Deutschland“-Gebrüll verließen sie schließlich das Kolpinghaus, nicht ohne vorher noch den Büchertisch der alteingesessenen Frankfurter Carolus-Buchhandlung mit Friedrichs Büchern zu fleddern. Auf Flugblättern wandte sich die Gruppe zudem gegen eine „Kriminalisierung antifaschistischer Politik“. Hintergrund ist eine Strafanzeige des BFF-Fraktionsvorsitzenden Hübner gegen die „Ökolinx“-Stadtverordnete Jutta Ditfurth wegen Volksverhetzung, nachdem diese im Römer den alliierten Bombenterror als „gerechte Strafe“ bezeichnet hatte. Eingeladen zu der Lesung mit anschließender Diskussion mit Jörg Friedrich hatte das „Bürgerbündnis für Frankfurt“ (Freie Wähler-BFF) unter seinem Vorsitzenden Wolfgang Hübner. Im mit über 200 Besuchern bis fast auf den letzten Platz gefüllten Großen Saal des Frankfurter Kolpinghauses dokumentierte Friedrich mit beeindruckendem Zahlen-, Daten- und Faktenmaterial jene grauenvolle Chronologie der Zerstörung der deutschen Städte. Militärisch völlig sinnlos hatten die Bombardierungen allein den Zweck die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und zu demoralisieren. Weit über eine halbe Million Zivilisten, die meisten davon Flüchtlinge aus dem Osten, Frauen, Kinder und alte Menschen, fielen den Flächenbombardements von Dresden, Hamburg, Berlin, Würzburg, Hannover, Frankfurt, Hanau, Darmstadt, Pforzheim, Osnabrück und den Städten im Ruhrgebiet zum Opfer. Kriegsverbrechen, die Deutschen, unseren Eltern und Großeltern geschahen. Als „ultimative Folter“ bezeichnete der Autor diese Art des totalen Krieges, der keinen Unterschied machte zwischen Soldaten und Zivilisten. Dennoch sei das Ziel der Alliierten, die Bevölkerung durch den Bombenterror zu einem Aufstand gegen das Regime oder zumindest zum Aufgeben zu zwingen – dies war vor allem Churchills Strategie – letztlich nicht aufgegangen. Man scharte sich im Gegenteil noch enger um die Führung, da nur hier wenigstens Hilfe in allergrößter Not, ein Dach über dem Kopf, warmes Essen und Kleidung etc. zu erwarten war. Der Bombenkrieg sei gescheitert, weil er den Durchhaltewillen der Bevölkerung nicht brechen konnte, so Friedrich. Ältere Zuhörer fühlten sich an NS-Trupps erinnert In der anschließenden Diskussion bemängelten einige ältere Teilnehmer die Nüchternheit und Sachlichkeit, mit der der Autor das Thema angegangen war. Friedrich erwiderte, daß er die Gefühle der Zeitzeugen durchaus verstehe, aber als Historiker seine Aufgabe zunächst in der akribischen Recherche und Forschung sehe, um dann gesicherte Zahlen, Daten und Fakten zu präsentieren. Wer seine Bücher jedoch genau lese, spüre bei aller Kühle der Bestandsaufnahme, daß er auch das namenlose Grauen der Zerstörung und das Elend der Bevölkerung unter der eiskalt kalkulierten und industriell betriebenen Massenbombardierung schildere. So werde ihm manchmal der Vorwurf gemacht, das Entsetzliche des Sterbens in den Feuerstürmen zu detailliert und naturalistisch zu beschreiben. Nach der Veranstaltungs trafen sich Teilnehmer auf dem Römerberg, um mit 1.001 Grablichtern und dem Verlesen der Namen der Opfer des Nachtangriffs vom 22. März 1944 würdig zu gedenken. Doch auch hier kam es wieder zu massiven Störungen durch die gleiche Gruppe „Antideutscher“, die mit Trillerpfeifen und Sprechchören wie „Bomber-Harris, der war schlau, schlauer noch als Morgen-thau“ und „Oma, Opa und Hans-Peter, keine Opfer sondern Täter“ die trauernden Frankfurter Bürger verhöhnten. Eine fassungslose ältere Dame erzählte mit Tränen in den Augen, daß einer der Randalierer ihr ins Gesicht gesagt habe, damals seien „noch viel zu wenig verreckt.“ Andere Zuhörer fühlten sich an die Schlägertrupps nationalsozialistischer und kommunistischer Sturmabteilungen der zwanziger und dreißiger Jahre erinnert. Selbst Jörg Friedrich, an gewalttätige Demonstrationen gegen seine Vorträge und Lesungen gewöhnt, zeigte sich schockiert über die Unmenschlichkeit und Niedertracht, mit der die Trauerfeier gestört wurde. Welcher Art die geistige Verwirrung dieser desorientierten Jugendlichen ist, wurde auch deutlich, als die Gruppe unter einer mitgeführten US-Flagge die „Internationale“ anstimmte. Polizei sorgte nicht für einen störungsfreien Ablauf Bei alledem kam die Polizei ihrer Aufgabe, für einen störungsfreien Ablauf der Gedenkfeier zu sorgen, in keiner Weise nach. Auf mehrmaliges Nachfragen erklärte der offensichtlich überforderte Einsatzleiter, man sei lediglich dazu da, um beide Gruppen „auseinanderzuhalten“. Letztlich bedeutet eine derartige Fehlentscheidung aber nicht nur die Tolerierung eines rechtsfreien Raumes, sondern auch die Gleichsetzung einer ordnungsgemäß angemeldeten Kundgebung mit dem kriminellen Treiben einiger Störer. Dennoch konnten die „Antideutschen“, ein selbst innerhalb der Linken isoliertes Häuflein, das zwischen frömmelndem Zivilgesellschaftsgewäsch und „antifaschistischem“ Delirium lebt, ihren beschämenden Auftritt nicht als Erfolg verbuchen – auch wenn deren Amoklauf seinen Höhepunkt wohl noch längst nicht erreicht hat. Daß außer der Frankfurter Neuen Presse keine einzige Frankfurter Tageszeitung über diese Vorfälle berichtete, ist übrigens auch bezeichnend. Foto: Linke Störer mit US-Fahne: „Noch viel zu wenig verreckt“

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