Es stirbt immer ein Mensch

Die umstrittene Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte „pro Familia“ wird im Bundesland Hessen weiterarbeiten. Der hessische Landesrechnungshof hatte im Frühsommer in einem Gutachten der Landesregierung dringend empfohlen, „pro Familia“ die staatliche Anerkennung als Beratungsstelle zu entziehen. Die Organisation soll neben den insgesamt 26 Beratungseinrichtungen im Land auch noch Abtreibungseinrichtungen betrieben haben (JF 28/04). Ein Widerruf der staatlichen Anerkennung komme nicht in Frage, heißt es aus dem hessischen Sozialministerium, welches für die 26 Beratungsstellen von „pro Familia“ im Land zuständig ist. Dort sei man bei einer Prüfung zu der Auffassung gelangt, daß die Kritik lediglich im Falle der Gießener „pro Familia“-Beratungsstelle zutreffe. Der Rechnungshof hatte darüber hinaus bemängelt, daß „pro Familia“ in den Jahren 2001 und 2002 entgegen den Vorgaben des Sozialministeriums 1.993 Beratungsfälle zuviel abrechnete. Dabei handele es sich insgesamt um knapp 100.000 Euro. Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) kündigte an, die Fälle wenn nötig einzeln überprüfen zu lassen. Mit dieser Aufgabe soll nun das Regierungspräsidium Kassel beauftragt werden. Am Ende wolle man die Abrechnungsvorgaben des Sozialministeriums mit dem Verhalten von „pro Familia“ abgleichen und Mängel notfalls mittels neuer Förderrichtlinien für die Zukunft beseitigen. Im Verein mit den hessischen Grünen klagte die Organisation bereits über eine „infame politische Kampagne mit Vorverurteilung“. Die Beratungsstellen von „pro Familia“ in Hessen und ihre drei Abtreibungspraxen in Gießen, Rüsselsheim und Kassel seien organisatorisch getrennt. Die Abtreibungszentren finanziere die Organisation selbst, sie erhielten keine Zuschüsse. Auch die „sexualpädagogischen Gruppenseminare“ seien immer völlig korrekt abgerechnet worden, heißt es seitens „pro Familia“. Der Verband erhielt 2001 Fördermittel in Höhe von 190.000 Euro, 2002 von 83.000 Euro und vergangenes Jahr 95.000 Euro. Nach Angaben des Bundesverbands Lebensrecht (BVL) wird in Deutschland zur Zeit jedes dritte Kind abgetrieben. „Es muß wieder in den Mittelpunkt gerückt werden, daß bei jeder Abtreibung ein Mensch stirbt“, so die Vorsitzende des BVL, die Ärztin Claudia Kaminski. Für den kommenden Sonntag kündigte der BVL eine Lebensrechtsdemonstration in Berlin an. Termin: Die Demonstration beginnt am Samstag, den 16. Oktober um 12 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Alexanderplatz in Berlin. Von dort aus startet um 13 Uhr ein Trauermarsch zur Sankt Hedwigs-Kathedrale. Dabei führen die Lebensrechtler 1.000 weiße Holzkreuze mit.

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