Selektives Gedenken

Der 100. Geburtstag der Philosophen Theodor W. Adorno versorgt uns dieser Tage mit unzähligen Artikeln und Rezensionen Dutzender erschienener Bücher, in denen dem „Jahrhundertgenie“ gehuldigt wird. Vorzugsweise seine Schüler preisen die „Ikone der Linken“, obwohl Adorno an seinem Lebensende 1969 von den Kindern seiner Revolution nur noch verspottet wurde. Als einen der Gründe dieses „Vatermordes“ versucht man neuerdings sogar Adornos „wahren Konservativismus“ zu deuten. Die Faszination der „Antifaschistischen Aktion Berlin“ ist dagegen einfacher gestrickt: Hier werden Adornos antideutschen Ausfälle in den Briefen an die Eltern 1943 „mit besonderem Behagen“ gewürdigt. Textstellen wie „Also: möchten die Horst-Güntherchen in ihrem Blut sich wälzen und die Inges den polnischen Bordellen überwiesen werden, mit Vorzugsscheinen für Juden“ haben es der Antifa angetan. Den Laudatoren des „großen Denkers“ dürfte dieser Tusch in Moll wohl kaum behagen.

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