Erinnerung an Pharisäertum

Zustimmung hat der Ausschluß des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann aus der CDU/CSU-Fraktion bei dem neugewählten Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, gefunden. Er nehme den Beschluß der Fraktion „mit Respekt“ zur Kenntnis und bedaure, daß Hohmann nicht von sich aus die Konsequenzen gezogen habe, sagte Huber. Der EKD-Ratsvorsitzende hatte als erster leitender Kirchenvertreter den Ausschluß Hohmanns wegen dessen Rede zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober gefordert. Als Reaktion darauf hat jetzt ein prominenter Soldat, Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof, seinen Austritt aus der Evangelischen Kirche erklärt. In einem Brief an Bischof Huber schreibt Schultze-Rhonhof: „Ich gratuliere Ihnen herzlich zu Ihrer Wahl als Ratsvorsitzender der EKD. Gleichzeitig verlasse ich nur eine Woche nach Ihrer Wahl unsere Kirche.“ Zur Begründung führte Schultze-Rhonhof aus: „Eine Ihrer ersten Verlautbarungen im Amt war: ‚Die Kirche mischt sich um Gottes willen politisch ein.‘ In den achtziger Jahren gehörte ich einmal einem Synodenausschuß einer Landeskirche an. Damals schon habe ich sehr unter dem parteiischen Politisieren der Kirchenmänner und der kirchlichen Laien gelitten. Nun hebt der Ratsvorsitzende der EKD, kaum im Amt, wieder an zu politisieren. Sie sind – so habe ich gelesen – einmal SPD-Mitglied gewesen. Wenn Ihnen so viel an Ihren politischen Mitsprachemöglichkeiten liegt, hätten Sie eine Parteikarriere einschlagen sollen. Als Ratsvorsitzender der EKD sprechen Sie aber im Namen der evangelischen Christen in Deutschland, so auch in meinem.“ Weiter heißt es in dem Brief: „Ich bin nicht mit Ihrer mitleidlosen und intoleranten Aburteilung des CDU-Abgeordneten Hohmann einverstanden. Hohmann hat in seiner verunglückten Rede ein berechtigtes Anliegen vorgetragen. Sie haben diese Rede sicherlich – wie ich – im Volltext gelesen, sein Anliegen dabei aber offensichtlich nicht verstanden. Sie haben den Abgeordneten Hohmann vor Ihrer öffentlichen Verurteilung nicht persönlich angehört und haben ihn trotzdem in der Meute, wie ich es in der Show von Frau Christiansen gesehen habe, öffentlich gegeißelt. Mich hat das an Pharisäertum erinnert. (…) Ich bezweifle, daß es Gottes Wille war, wie Sie mit dem Abgeordneten Hohmann umgegangen sind.“ Seitens der Evangelischen Kirche wollte man sich zum Austritt des bekannten Generals nicht äußern. Man nehme nicht zu Austritten Stellung, teilte ein EKD-Sprecher auf Anfrage der JUNGEN FREIHEIT mit. Auch sonst herrscht große Unzufriedenheit innerhalb der EKD über den Umgang mit Hohmann. Auf den Leserbriefseiten des evangelischen Nachrichtendienstes Idea-Spektrum machen Kirchenmitglieder ihrem Ärger Luft. Der Chemnitzer Pfarrer Winfried Amelung vom Arbeitskreis „Hilfe für Israel“ spricht in diesem Zusammenhang sogar von „Rufmord“ und „Hexenjagd“. Auch die konservative „Evangelische Notgemeinschaft in Deutschland“ übte scharfe Kritik an Bischof Huber wegen dessen Äußerungen zu Hohmann. Die frühere Forderung Hubers nach einem Ausschluß aus der Unionsfraktion liege „außerhalb des Auftrages der Kirche und grenzt viele Protestanten aus“, kritisierte der Vorsitzende der Notgemeinschaft Ulrich Motte am Dienstag in München. Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT schloß Schultze-Rhonhof nicht aus, nach Ablauf der Amtszeit von Bischof Huber wieder in die Kirche einzutreten. Ihm sei wichtig, daß sein Kirchenaustritt ausschließlich mit der Amtsführung und der Person des EKD-Ratsvorsitzenden zu tun habe und nicht mit den Inhalten der Evangelischen Kirche.

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