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Die gewitzte Zarin von Usbekistan

Allmählich beginnt es auch Optimisten zu dämmern: nicht die Demokratie befindet sich im postsowjetischen Osten auf dem Siegeszug, sondern ein neuer Feudalismus, der nahtlos auf das kommunistische Regime zu folgen scheint. Die Ex-Nomenklatura hat sich offensichtlich ohne Mühen in die neue feudale Oberschicht verwandelt. Das ehemals sowjetische Transkaukasien und Zentralasien bietet ein eindrucksvolles Beispiel für diese Entwicklung. Im erdölreichen Aserbaidschan regiert seit 1993 als Präsident Hajdar Alijew. Der 80jährige war in den sechziger Jahren Chef des KGB und dann 16 Jahre lang allmächtiger Parteichef der Aserbaidschnischen Sozialistischen Sowjetrepublik. 1976 stieg er ins Moskauer Politbüro der KPdSU auf. Unter Michail Gorbatschow wurde er 1987 aus „gesundheitlichen Gründen“ abgelöst. Mit der Unabhängigkeit 1991 hat sich Alijew offiziell zu einem „glühenden aserbaidschanischen Patrioten“ und „gläubigen Moslem“ gemausert, der – dank kaspischen Erdöls – das Wohlwollen der Amerikaner genießt. Der gesundheitlich angeschlagene Alijew hat inzwischen seinen 41jährigen Sohn Ilham zum Premier ernannt – und Alijew junior wird bei den kommenden Präsidentenwahlen fürs höchste Staatsamt kandidieren. Es besteht wenig Zweifel, daß Ilham gewählt wird – womit sich in dem Acht-Millionen-Staat die Dynastie Alijew etabliert hätte. Die Ex-Sowjet-Nomenklatura regiert unverdrossen weiter Auch die Staaten Zentralasiens (die allesamt Mitglied der von Rußland initiierten Gemeinschaft unabhängiger Staaten/GUS sind), bieten das gleiche Bild: Einheimische Angehörige der Sowjet-Nomenklatura (keinesfalls Russen!) sind praktisch zu „demokratisch gewählten“ Präsidenten auf Lebenszeit geworden. In Kasachstan, das reich an Erdgasvorkommen ist, regiert Ex-KP-Chef Nursultan Nasarbajew. Im erdölreichen Turkmenistan (siehe JF 2/03) legte sich Ex-KP-Chef und Präsident Sapurmurat Nijasow den feudalen Beinamen „Turkmenbaschi“ (Vater der Turkmenen) zu. In Usbekistan ist Ex-KP-Chef Islam Karimow seit 1991 Präsident. Da er schwer krank sein soll, könnte es in Taschkent bald zu einer überraschenden Wende kommen: Eine Frau, dazu noch jung und gutaussehend, könnte in dem muslimischen Land Staatschefin werden. Gulnora Karimowa, Tochter Karimows, Absolventin der Harvard Business School, ist sehr machtbewußt und gehört zu den reichsten Frauen des Landes. Die 31jährige gilt als sehr geschäftstüchtig und trägt den schwarzen Gürtel in diversen Kampfsportarten. Die bereits als künftige „Zarin von Usbekistan“ etikettierte Präsidententochter kontrolliert die usbekische Telekom und ist Miteigentümerin der usbekischen Zementindustrie. Sie soll im Ausland über Bankguthaben im Wert von mehreren Millionen Dollar verfügen. Sie und andere Mitglieder der Karimow-Familie denken intensiv darüber nach, wie es nach einem etwaigen Ausfall von Islam Karimow weitergehen soll. Es gilt, sich für den Fall eines Wechsels an der Staatsspitze die nötigen Machtpositionen zu sichern. Unter Vater Karimow war Usbekistan zwischen den Clans von Samarkand und Buchara aufgeteilt. Zugleich hat Karimow sich auch den Amerikanern angedient. Und obwohl „Karimow-Country“ mehrfach der Verletzung von Menschenrechten beschuldigt wurde, ließen die USA ihren neuen Verbündeten nicht im Stich. Usbekistan wird vom Westen, ebenso wie andere zentralasiatische Republiken, auf höheren Wunsch in Ruhe gelassen. Die Präsidententochter soll islamisches Land regieren Die clevere Gulnora ist seit mehreren Jahren Beraterin des usbekischen Außenministeriums. In zweiter Ehe hat sie jüngst den amtierenden Außenminister, Sadik Safajew, geheiratet, der früher Botschafter seines Landes in den USA war. Auch er gilt als einer der möglichen Präsidentennachfolger. Lola, eine jüngere Schwester von Gulnora, hat sich mit Timur Tilajew verlobt, gleichfalls Harvard-Absolvent und Sproß einer einflußreichen Sippe in Taschkent, der Verbindungen zur dortigen „Mafia“ nachgesagt werden. Gulnora hat im Zuge ihres bewegten Lebenswandels mit ihrem Ex-Ehemann Mansur Maqsudi gebrochen, mit dem sie zwei Kinder hat. Um die Kinder kam es zu einem Rechtsstreit. Ex-Gatte Magsudi, der zugleich US-Staatsbürger ist und Chef der usbekischen Coca Cola-Niederlassung war, gewann vor einem Gericht in New Jersey in einem Sorgerechtsprozeß: die US-Richter sprachen dem 36jährigen Vater die beiden Söhne zu. Gulnora weigerte sich, die Kinder herauszugeben. Daraufhin erließ das US-Gericht einen internationalen Haftbefehl gegen die Präsidententochter, die nun kein Land der Welt mehr besuchen kann, mit dem die USA einen Auslieferungsvertrag haben. Dafür kaufte sich Gulnora jüngst für eine Million Dollar eine Eigentumswohnung in Moskau. Und als Präsidentin oder Regierungsmitglied würde sie künftig ohnehin diplomatische Immunität genießen.

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