Der Strippenzieher

Er war mit 33 Amtsjahren der dienstälteste CDU-Kreisvorsitzende Deutschlands und einer der einflußreichsten Strippenzieher der Berliner Union: Peter Kittelmann. Am vergangenen Samstag erlag der 66jährige CDU-Politiker einem Krebsleiden. Geboren am 17. Juli 1936 in Stendal (Altmark), studierte Peter Kittelmann Veterinärmedizin und Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin. In dieser Zeit bildete sich an der juristischen Fakultät der FU jener Kreis von zumeist korporierten Studenten, die in den siebziger und achtziger Jahren systematisch die Macht in der Berliner CDU eroberten. Dazu gehörten neben anderen der spätere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und Multifunktionär Klaus-Rüdiger Landowsky, der erst Generalsekretär, dann CDU-Fraktionschef war. Peter Kittelmann legte 1969 die zweite juristische Staatsprüfung ab und arbeitete seit 1970 als Rechtsanwalt. Bereits im Jahr darauf wurde er zum Stadtrat für Gesundheit und Wirtschaft im Bezirk Tiergarten gewählt, 1975 auch zum stellvertretenden Bezirksbürgermeister. Von 1976 bis 1994 gehörte Kittelmann dem Deutschen Bundestag an, wo er Chef der Berliner Abgeordneten war. Zwischen 1994 und 1999 war er Mitglied des Europaparlaments, danach kandidierte er noch einmal erfolgreich für das Abgeordnetenhaus von Berlin. In der Partei wurde er nur vier Jahre nach seinem Eintritt zum Kreisvorsitzenden der Jungen Union Tiergarten und stellvertretenden Landesvorsitzenden der CDU-Nachwuchsorganisation gewählt. Von 1969 bis zu seinem Tod stand er an der Spitze der CDU-Tiergarten (nach der Bezirksfusion: CDU-Mitte); in diesem Frühjahr wollte er den Vorsitz für einen Jüngeren aufgeben. Kittelmanns enormer Einfluß in der Partei leitete sich jedoch nie aus seinen jeweiligen Ämtern und Mandaten ab. Seine Macht beruhte auf einem informellen Zirkel, der in der Partei über zwei Jahrzehnte hinweg die Fäden zog. Noch der heutige CDU-Fraktionschef Frank Steffel ist ein später Nutznießer dieser Seilschaft. Als Organisator der legendären K-Gruppe steuerte Kittelmann die Personalpolitik der Berliner Union bis hinunter in die Ortsverbände und die Vereinigungen der CDU. Gegen diesen mächtigen Zirkel von ausgewählten CDU-Kreisvorsitzenden ging in der Berliner Union nichts. Wer nicht die Unterstützung der K-Gruppe hatte, an dem rauschten nach einem geflügelten Wort in der Partei die Ämter vorbei „wie das Meer an der Insel“. Das traf naturgemäß nicht überall in der Partei auf Wohlgefallen. Für die Alterspräsidentin des Abgeordnetenhauses, Ursula Besser (CDU), waren die Mitglieder der K-Gruppe einfach nur „Technokraten der Macht“.

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