Der rote Möllemann von der Saar

Er hat seine Rückkehr nur im Saarland angekündigt, doch die Wellen der überraschenden Ankündigung schlagen bis Berlin. Die Rede des ehemaligen saarländischen Ministerpräsidenten und Bundesfinanzministers Oskar Lafontaine. Beim traditionellen Neujahrsempfang der saarländischen SPD hatte seine „Partei-Freunde“ in der Bundeshauptstadt damit in hellste Aufregung versetzt. Schon vergangenes Wochenende schäumten Fraktionschef Franz Müntefering und SPD-General Olaf Scholz. Unterm Strich beschieden sie ihrem ehemaligen Parteichef nach dessen Rückkehr in die saarländische Politik, er helfe am meisten, wenn er den Mund halte. Und Niedersachsen-Wahlkämpfer Sigmar Gabriel fand am Sonntag die schlagfertige Antwort auf die Frage, ob er gedenke, Lafontaine als Wahlkämpfer einzuladen: „Wir wollten die Situation verbessern, nicht verschlimmern.“ Seit seinem Rücktritt von allen politischen Ämtern im März 1999 hat sich Lafontaine als das Orakel von Saarbrücken aufgespielt. Hier ein Auftritt mit dem abgestürzten PDS-Star Gregor Gysi, dort Nebulöses über eine linke Parteineugründung. Mit der offiziellen Lizenz des saarländischen Parteichefs Heiko Maas spricht Lafontaine nun wieder im Namen der SPD. Zunächst über saarländische Belange. Denn dort liegen die Genossen pikanterweise seit Lafontaines Rücktritt am Boden. Angeführt von dem 36jährigen Maas steuert die SPD auf eine gigantische Wahlniederlage im Jahr 2004 zu. Nun soll der 59jährige Lafontaine als Wahlkampf-Lokomotive das Ruder herumreißen. In dieser Situation sind alle Mittel recht, auch wenn Maas am Ende von Lafontaine zur Seite gedrängt werden könnte, wie Parteifreunde munkeln. Ministerpräsident Peter Müller (CDU) tat den Auftritt des Politrentners als „Peinlichkeit“ ab. Doch die Anziehungskraft Lafontaines auf frustrierte Stammwähler und Parteilinke ist zumindest an der Saar ungebrochen. Von daher ist seine Rückkehr in Raten wohl durchdacht. Scheitert sein Unterfangen, mit den Sozialdemokraten an der Saar die Rückkehr an die Macht herbeizuführen, so kann Lafontaine sein Engagement als kurzes Wahlkampf-Intermezzo abtun. Sollte die SPD Amtsinhaber Müller allerdings mit Lafontaines Hilfe schlagen, dann müßte Bundeskanzler und Parteichef Gerhard Schröder mit erheblichem Gegenwind aus Saarbrücken rechnen. In Berlin haben die Genossen geradezu hysterisch auf die Ankündigung des Saar-Napoléons reagiert. Selbst Fraktionsvize Michael Müller, einflußreicher Wortführer der Parteilinken, ging hörbar auf Distanz: „Ich halte Oskar für keinen überzeugten Linken, der uns weiterhelfen könnte.“ Und der Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, Niels Annen, meinte „die Partei werde nie vergessen, wie Lafontaine sie im Stich gelassen habe“. Seine Anhänger in den Führungsgremien der SPD kann Lafontaine derzeit an einer Hand abzählen. Doch das stört ihn wenig. „Im Alter wird man gelassener“, lautete seine lapidare Reaktion auf die Giftpfeile aus Berlin. Lafontaine hat gut reden. Er weiß, daß Wahlniederlagen in Niedersachsen und Hessen am 2. Februar fast zwangsläufig zu einer neuen Strategiedebatte der SPD führen werden. Und vermutlich weiß er auch, daß seine Person wohl nicht mehr mehrheitsfähig innerhalb der SPD ist. Doch als Wortführer einer bestimmten Klientel taugt er allemal. „Es ist der Möllemann-Effekt“, glaubt ein prominenter Saar-Sozi: „Dieser permanente Drang, sich in Szene zu setzen.“ Und das konnte Oskar schon immer gut.

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