Die mit den Wölfen heulen

Kürzlich befand Jürgen Todenhöfer, daß der Irak „am Ende“ sei. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete, der den Irak – im Gegen-satz zu manchem Wichtigtuer – selbst bereiste, weiß, wovon er spricht. Todenhöfers Einschätzung steht in krassem Gegensatz zu dem Popanz der Weltgefahr Irak, der tagtäglich auch auf die Deutschen abregnet. An der Spitze derjenigen, die Saddam Hussein und seine Massenvernichtungswaffen hinter jeder Ecke lauern sehen, stehen inzwischen große Teile der Unionsparteien, allen voran die beiden Außenpolitikexperten Wolfgang Schäuble und Friedbert Pflüger. Schäuble sprach sich dafür aus, daß Deutschland im UN-Sicherheitsrat für einen Irak-Krieg stimmen sollte. Pflüger fordert mehr deutsche Unterstützung im Falle eines Irakkrieges. Beide entblödeten sich auch nicht, in einem Grundsatzpapier, das mit „Argumente im Hinblick auf den Irak“ überschrieben ist, die US-Politik gegenüber dem Irak als „besonnen und überlegt“ zu bezeichnen. Kritische Stimmen in der Union werden von ihnen als „Einzelmeinungen“ weggedrückt. Keiner, so kann festgehalten werden, heult in diesen Tagen aufdringlicher als die Union mit den US-Wölfen. Kein Argument der Regierung Bush ist zu fadenscheinig, als daß es bestimmte Politiker in der Union nicht gebetsmühlenhaft wiederholen würden. Abzuwarten bleibt, ob die Deutschen diese Form willenloser Gefolgschaft gegenüber Washington goutieren werden. Der kommende Wahlsonntag dürfte deshalb auch in dieser Hinsicht interessant werden.

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