„Girls’ Day“

Frei von allen Klischees

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Mädchen mit Bauklötzen: „Berufsspektrum erweitern“ Foto: Pixelio/korkey

Das Frühjahr ist die Zeit der Frauenfeste. In heidnischen Gefilden feierte man die obskur bleibende Frühlingsgöttin Ostara und etwas später das keltische Kultfest Beltane, weithin als Walpurgisnacht bekannt. Die Christenheit begeht den Mai als Marienmonat, und auch die säkulare Gedenktagsschreibung kapriziert sich in puncto Weiblichkeitshuldigung auf die Frühlingsmonate.

Das beginnt im noch düsteren Februar mit dem Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung, setzt sich fort im März mit dem Internationalen Frauentag und kurz darauf mit dem alarmierenden Equal Pay Day, der die gehaltsmäßige Benachteiligung des weiblichen Geschlechts ins Gedächtnis rufen will.

Bevor der weltliche Gedenkreigen mit dem Muttertag ein Ende findet, hat sich seit 2001 der Girls’ Day am vierten Donnerstag im April eingeschmiegt. Sein Vorbild hat er im amerikanischen „Take our daughters to work day“. Mittlerweile haben sich auch andere europäische Länder wie das Kosovo und Polen der Vorreiterrolle Deutschlands angeschlossen. In der Schweiz heißt es „Tochtertag“.

Die Gender-Argumentation beißt sich selbst in den Schwanz

Als Initiatoren und Geldgeber fungieren hierzulande das Bundesfamilienministerium, das Ministerium für Bildung und Forschung sowie die EU. Am Girls’ Day werden Schülerinnen der 5. bis 10. Klasse vom Unterricht freigestellt, um in frauenuntypische Berufsfelder „hineinzuschnuppern“. Die Teilnehmerzahl ist von 1.800 Schülerinnen im Anfangsjahr auf rund 130.000 gestiegen. Ob das Blitzpraktikum für Mädels letztlich wie gewünscht in einer Kfz-Werkstatt oder einem Physiklabor stattfindet oder, wie häufiger praktiziert, in einem Kindergarten, im Nagelstudio oder in der Konditorei, wird nicht überprüft.

Beklagt wird auf dem amtlichen Flugzettel zur Aktion (muß man erwähnen, daß das Girls’-Day-Logo mädchenhaft verspielt und in Pink- und Pastelltönen daherkommt?), daß sich „mehr als die Hälfte der weiblichen Auszubildenden für einen von zehn mädchentypischen Ausbildungsberufen entscheiden – kein einziger aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich ist darunter“. >>

Ein wenig beißt sich da die Gender-Argumentation selbst in den Schwanz: Ist es laut Gender-Mainstreaming-Diktion nicht bereits eine Form von Diskriminierung, Berufe wie Krankenschwester, Friseurin und dergleichen abwertend als „mädchentypisch“ zu bezeichnen?

Neben der frauenrollenkritischen Zielsetzung benennen die Initiatoren auch wirtschaftliche Gründe, weshalb Frauen sich um Stellen in Werkstätten und IT-Zentralen bemühen sollen: Weil aufgrund der demographischen Lage „der qualifizierte Nachwuchs fehlt, ist es wichtig, daß Mädchen ihr Berufsspektrum erweitern“. Das klingt einleuchtend.

Schauen wir aber auf die ebenfalls ministeriell verantwortete Begründung des flankierenden Projekts „Neue Wege für Jungs“, so heißt es dort: Da der Bedarf an Fachkräften in Pflege-, Betreuungs- und Erziehungsberufen steige, sollen Jungen verstärkt für dieses Spektrum interessiert werden. Aus ökonomischen Gründen erscheint der forcierte Rollenaufbruch also nicht logisch.

Pubertierende Knaben frei von Geschlechterklischees

Generell fällt auf, daß sich das „klischeesprengende“ Image männlicherseits schwerer verkauft. Dabei tun die Veranstalter ihr Möglichstes, den Jungs ihre Version des Girls’ Day – in Süddeutschland heißt das Äquivalent Boys’ Day – nahezubringen. Die entsprechende Seite biedert sich an, wir sehen eine Mauer mit aufgemalten Parolen wie „Was geht?“ und „Ich hab Bock“.

In einer Datenbank sind deutschlandweit mehrere tausend Stellen annonciert, auf denen sich die pubertierenden Knaben „frei von Geschlechterklischees ausprobieren“ sollen. Allein in Aachen werden 50 Plätze für jungmännliche Praktikanten im Kindergarten freigehalten, andernorts dürfen sie den Flur reinigen, in einem Modehaus die Dekoration herrichten, am Friseurstuhl Haare waschen oder Blumen binden.

Als Vorbild wird ein großer Junge, Dave, ins Kurzinterview genommen. Der 20jährige (Hobbies: Leipzig und Nahverkehr) organisiert „Schule zum Wohlfühlen“, er gestaltet etwa Treppenhäuser mit Graffiti. Ein „Elternbrief“ zum Aktionstag mit Instruktionen und ideologischer Zurüstung wird unter anderem auch auf türkisch, vietnamesisch und chinesisch vorgehalten. So wird die Missionsarbeit rund.

JF 16/10

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