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Bischof Mixa
 

Laien nennen Rücktrittsgesuch „unausweichlich“

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Bischof Walter Mixa: um Entlassung gebeten Foto: Wikipedia/Christoph Goldt

AUGSBURG. Das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa hat für unterschiedliche Reaktionen gesorgt. Während der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates, Helmut Mangold, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte, daß er eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe um den Bischof bevorzugt hätte, zeigten sich andere Katholiken erleichtert.

Der Vorsitzende der Laienorganisation Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, bezeichnete den Schritt als „unausweichlich“. Hintergrund sind Vorwürfe gegen den als konservativ geltenden Geistlichen, er habe während seiner Zeit als Stadtpfarrer und Religionslehrer in Schrobenhausen vor über dreißig Jahren Schüler mißhandelt. Sieben ehemalige Heimkinder berichteten von Schlägen ins Gesicht und auf das Gesäß. Mixa sagte, er habe nur Ohrfeigen ausgeteilt.

Angebliche „finanzielle Unregelmäßigkeiten“

Ein von der Kirche eingesetzter Sonderermittler will nun auch „finanzielle Unregelmäßigkeiten“ in der Buchhaltung einer Waisenhausstiftung festgestellt haben, die in Mixas Zuständigkeit fiel. Laut Augsburger Zeitung handele es sich dabei um den Ankauf eines Kupferstichs für 43.000 DM, eines Bischofsrings für 3.800 DM sowie Weins für 5.400 DM im Zeitraum von 1993 bis 1996.

In einer außergewöhnlichen Vorgehensweise haben am Dienstag der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx in einer öffentlichen Erklärung Mixa eine „vorübergehende räumliche Distanz“ zu seinem Bistum für eine „Zeit der geistlichen Einkehr“ empfohlen.

Mangelnder Rückhalt sei „seelischer Schock“

Dieser beispiellose Vorstoß müsse für Mixa ein „seelischer Schock“ gewesen sein, mutmaßte Mangold. „Die Situation war sicherlich sehr belastend für ihn“, sagte auch der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) gegenüber der Augburger Zeitung, der die Vorwürfe jedoch nicht kommentieren wollte: „Ich maße mir kein Urteil an.“

In einem am Mittwochabend bekanntgewordenen Brief bat Mixa den Papst um Entlassung: „Ich tue diesen Schritt in unerschütterlichem Vertrauen auf die Gnade Gottes und hoffe zuversichtlich, daß der Vater im Himmel die Kirche von Augsburg in eine gute Zukunft führen wird“, schrieb der Bischof, der am Sonntag seinen 69. Geburtstag feiert.

Erst vor wenigen Wochen wurde der katholische Geistliche für seine Aussage scharf angegriffen, die jüngsten Fälle von Kindesmißbrauch seien auch eine Folge der „sogenannten sexuellen Revolution“ gewesen. Vor allem die Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, empörte sich über diese Meinungsäußerung.

„Rolle des Papstes darf kein Tabu sein“

In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung zeigte sich die Politikerin nun sehr erfreut von Mixas Rücktrittsgesuch. „Die Zeit von selbstherrlichen und unangreifbaren Kirchenfürsten ist endgültig vorbei.“ Ein Geistlicher, „der prügelt, lügt und Gelder für Waisenkinder zweckentfremdet“, habe auf einem Bischofssitz „nichts verloren“.

Doch dürfe jetzt nicht der „Mantel des Schweigens“ über die Angelegenheit gebreitet werden, sagte Roth weiter. Die „zahlreichen Vorwürfe“ seien „lückenlos“ aufzuklären. „Dabei darf auch die Rolle des jetzigen Papstes kein Tabu sein.“

Die Politikerin plädierte für einen „umfassenden Neuanfang“: Die katholische Kirche müsse sich „auch in ihren höchsten Hierarchien der Kirchenbasis und der demokratischen Öffentlichkeit stellen.“ (FA)

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