Joachim Kuhs

 

Telefonstreich

Es gibt ein erstes Mal. Nach Winnenden haben sich gleich wieder allerlei Spitzenpolitiker zu Wort gemeldet, die Kanzlerin gab sogar eine Pressekonferenz. Sie sei „bestürzt und fassungslos“, sagte sie da. Fast hätte ich mir das schon gedacht. Aber muß das wirklich sein? Die Aufgeregtheit unserer Mediengesellschaft nimmt immer schlimmere Züge an. Etwas anderes, auch Neues war die Strafanzeige von Andrea Ypsilanti gegen den niedersächsischen Radiosender ffn. So etwas hat es in 40 Jahren Spaßtelefonaten auch noch nie gegeben: Die angerufene Möchtegern-Ministerpräsidentin wollte, daß der Sender belangt wird, dessen Stimmenimitator sich als Franz Müntefering ausgegeben hat. Doch nun wurde ihre Anzeige abgewiesen: ein großer Erfolg für die Pressefreiheit in Deutschland! Ypsilanti hätte sich ein Beispiel an der US-Republikanerin Sarah Palin nehmen sollen, die von einem kanadischen Sarkozy-Imitator angerufen und hinters Licht geführt worden ist. Palin nahm es mit Humor. Statt dessen hat sich Ypsilanti gleich zweimal hintereinander lächerlich gemacht – erst mit dem Telefonat, dann mit der Anzeige.

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