Doping frei

Turnunterricht in der DDR begann mit einer liturgischen Formel: Auf den „Sport“-Ruf des Lehrers erschall lauthals ein vielkehliges „frei!“. Insofern läßt sich als Fazit für die jüngste Erklärung fünf einstmaliger DDR-Leichtathletiktrainer die Losung „Doping frei“ deduzieren. Denn sie haben – auch hier rekordverdächtig – sich erst mit 20 Jahren Verspätung und weitestgehend unverbindlich zu ihren Doping-Vergehen bekannt. Gleichwohl erhalten sie im Gegenzug Absolution, dürfen mit einer Weiterbeschäftigung und der Finanzierung aus Steuermitteln rechnen. Ein deutlicheres Signal ist vor der 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaft vom 15. bis 23. August 2009 im Berliner Olympiastadion kaum denkbar. Zu ihrer „Entschuldigung“ – die ja erst durch die Akzeptanz ihrer Opfer wirksam würde – erklären die Doping-Trainer, sie hätten sich in ihrem verbrecherischen Verhalten „durch die Vorgaben des Staats legitimiert“ gesehen. Für Ines Geipel, Sprinterin der gedopten Weltrekordstaffel von 1984 über 4 x 100 Meter, ist dies ein fatales Signal. Weil ihre Leistung auf Betrug basierte, ließ sie sich aus der Rekordliste streichen. Seither existiert beim DLV der Staffel-Weltrekord über 3 x 100 Meter – eine „Singularität“, so Geipel, die „nicht so schnell zu überbieten ist“.

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