AFD Sachsen Wir Frauen brauchen keine Quote!

 

Nix Neues beim großen Bruder

In Deutschland ist es kalt geworden. Die Zweidrittelgesellschaft ist bittere Realität. Es gibt diejenigen, die alles haben und in Luxus schwelgen. Die anderen haben sich einen kleinbürgerlichen Wohlstand gesichert und versuchen, nicht abzusteigen, manche wollen nach oben, selten gelingt es. Und dann gibt es das untere Drittel der Gesellschaft: diejenigen, die nichts haben, nicht einmal Arbeit. Von diesem Platz aus kann es nur noch nach oben gehen. Dank RTL2 erleben wir nun den Überlebenskampf von neun Kombattanten mit. Mehr als 20.000 Menschen hatten sich beim holländischen Produzenten Endemol beworben. Anders als früher dauert das Spektakel nicht mehr nur 100 Tage. „Härter, fieser, tiefer“ ist das Motto. Für 365 Tage dürfen wir nun täglich eine Stunde lang sehen (Premiereabonnenten sogar 24 Stunden!), wie sich die neuen Helden schlagen. Und auch das Preisgeld hat es in sich. Eine Million Euro soll der Sieger erhalten. Schon bei der Auswahl der Moderatoren zeigt sich RTL2 sehr kreativ. Ruth Moschner, bekannt durch ein paar Comedy-Sendungen, benimmt sich wie Hella von Sinnen unter Koks und führt mit lautem Gekreische durch die Sendung. Dabei hilft ihr Oli P. Er trägt jetzt eine Häkelmütze und darf die neuen Bewohner bei ihrem Einzug in das Haus begleiten. Die Bewohner, die in den armen Teil des Containers müssen, tröstet er damit, daß dort wenigstens keine Hundescheiße herumliegt. Da fragt sich der Zuschauer, warum eigentlich nicht? Im Haus gibt es drei unterschiedliche Bereiche: reich, normal und „survivor“ – was natürlich besser klingt als arm. Die Dreiklassengesellschaft ist durch Gitterstäbe voneinander getrennt. So können sich die verschiedenen Bewohner sehen, haben aber doch nichts miteinander zu tun. Die drei Bereiche sind unterschiedlich groß. Während die Reichen 220 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung haben, müssen sich die „Normalos“ mit 80 und die „Survivors“ mit 30 begnügen. Die Reichen haben einen Swimmingpool, eine modern eingerichtete Wohnung und eine Luxusliste, von der sie sich bestimmte Dinge aussuchen dürfen. So darf Sascha beispielsweise außerhalb des Hauses ein paar Runden mit dem Ferrari drehen. Gleichzeitig darf immer nur einer der Reichen das Haus verlassen. Anders sieht es bei den „Normalos“ aus: Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und Küche wie in einer deutschen Standardwohnung. Besonders arm dran sind die „Survivors“. Sie haben kein Dach über dem Kopf und müssen am offenen Feuer kochen. Betten gibt es nicht, dafür einen gut isolierten Schlafsack. Lebensmittel bekommen sie nur in ihrer natürlichen Form. Dem gelieferten Hasen müssen sie selbst das Fell abziehen, und auch das Korn müssen die Bewohner erst zu Mehl mahlen. Dafür hat der Survivor-Bereich eine schöne Aussicht: auf den beheizten Pool der Reichen. Die Normalos müssen jede Woche eine Aufgabe erledigen. Das Gemeine daran: Die Reichen dürfen auswählen, welche von zwei Aufgaben die Gruppe zu erledigen hat. Deren wöchentliches Budget hängt davon ab, wie gut die Aufgabe erledigt wird. Und wie im richtigen Leben können sich die Ärmeren bei den Reichen etwas dazuverdienen. Zum Beispiel, indem sie dort Putzdienste verrichten, kochen oder die Wohnung aufräumen. Verweigert der „Normalo“ den Dienst, kann ihn Big Brother bestrafen. Für die „Survivors“ kommt es noch härter. Sie können ebenfalls von den Reichen zu Diensten herangezogen werden. Weigern sie sich oder erledigen sie die Aufgabe nicht zur Zufriedenheit, wird das gesamte Team bestraft. Was sind das eigentlich für Menschen, die ein ganzes Jahr lang ihr normales Leben aufgeben? Die ihre Kinder für ein Jahr zur Großmutter bringen und sie nicht sehen dürfen? Die auch nicht wissen, was in der eigenen Familie oder bei Freunden vor sich geht? Ist es die Aussicht, ein Star zu werden? Oder die eine Million Euro Siegprämie? Und warum macht dann ein mehrfacher Millionär mit? Achim soll vermutlich das Ekel im Haus abgeben. Er ist selbständiger Kaufmann, millionenschwer, sportlich und ein Großmaul. Warum der 39jährige, der schon mit 21 sein eigenes Haus gebaut hat, sich das antut, bleibt unklar. Auch wer seine Geschäfte weiterführt und was mit dem Unternehmen passiert, wenn der Chef ein Jahr im Container ist, weiß niemand. Achim ist verheiratet und hat eine siebenjährige Tochter. Das hindert ihn allerdings nicht daran, sich auf die Mädels im Haus zu freuen. Seine Frau toleriert das angeblich. Ob sie das allerdings immer noch tut, wenn Nachbarn und die Tochter im Fernsehen dabei zuschauen dürfen, wird sich zeigen. Selbstverständlich muß so ein Kerl in den reichen Bereich. Genauso wie Sascha, der von Beruf Model ist. Hauptsächlich stand der 26jährige für Diesel und Calvin Klein vor der Kamera. Ansonsten ist sein Hauptmerkmal bei der Eröffnungssendung, daß er gerne Anglizismen verwendet und diese dann auch konsequent falsch ausspricht. Den reichen Bereich vervollständigt Kader. Die 28jährige war einmal Miss Penthouse. Zügig steuert sie auf die Champagnerpulle zu, um sich erst einmal der Herausforderung im Bereich der Reichen zu stellen. Anders die „Normalos“. Jerry ist 23, Stripper, Showdancer und gelernter Industriemechaniker. Franziska, 24, ist selbständige Promoterin, mag One-Night-Stands und hat auch sonst das Zeug zum Big-Brother-Luder. Die Griechin Silvia ist 34 und hatte ein großes Ziel: Durch die Sendung will sie berühmt werden und gute Jobs bekommen. Sie war anscheinend zu langweilig und flog schon nach der ersten Woche aus den Containern. Spaßiger ist es bei den „Survivors“. Da gibt es Sandra. Sie ist 22 Jahre alt und Stripperin. Der zweijährige Sohn darf die Mama jetzt regelmäßig im Fernsehen angucken. Ihr Ziel: „Ich will allen zeigen, daß ich eine geile Berlinerin bin“ und „Hoffentlich sind genug Kondome im Haus.“ Das und den Besuch ihres Kindes fanden die Zuschauer so nervig – und zack, saß sie am letzten Wochenende wieder vor der Tür. Ein richtiger Chef ist auch der 34jährige Michael aus Berlin. Seine Hobbys sind Dartspielen und Motorradfahren. Zur Zeit ist er arbeitslos. Da fällt ihm die Umstellung bei Big Brother auch sicherlich nicht allzu schwer. Ähnlich lustig ist der arbeitslose Altenpfleger Sascha. Die Hobbys des 29jährigen sind offensichtlich Piercings, Tätowierungen und Liebsein. Da wundert es auch nicht, wenn er beim Duschen sein T-Shirt anläßt – das müssen die Survivors ja auch draußen erledigen. Obwohl sich RTL2 alle Mühe bei der Auswahl der Kandidaten gegeben hat, wirken sie wie geklont. Alle sind jung, irgendwie „trendy“, mögen Tätowierungen und Piercings. Gemeinsam haben sie auch, daß sie sich alle der großen Herausforderung stellen und gerne nackte Haut zeigen. Ob der Einzug in den Container vielleicht auch eine Flucht von der rauhen Wirklichkeit ist, bleibt offen. Die Sozialstruktur des Hauses ist toll: zwei Stripper und zwei Models (jeweils männlich und weiblich), ein Unternehmer, eine Promoterin, eine Ausländerin und zwei Arbeitslose. Durch verschiedene Spiele, sogenannte „Challenges“, wird das Haus durchlässig. So kann jeder Spieler vom „Survivor“ zum „Reichen“ aufsteigen und umgekehrt. Es kann aber auch sein, daß ein Kandidat für 365 Tage ganz unten bleibt. Genau wie im richtigen Leben halt. Lockere Runde: Neid ist bei getrennten Bereichen vorprogrammiert

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles