Digital(l)es

Wenn man sich einmal vor Augen führt, wie stark und teilweise unbemerkt in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren die Entwicklung von Elektronik, Computer und Internet ihren Einfluß auf das tägliche Leben ausgedehnt hat, gerät man zwangsläufig ins Grübeln und Philosophieren. In meiner frühen Jugend selbstverständliche Dinge wie Brettspiel, Walkman oder Schreibmaschine „sterben“ unaufhörlich, längst ersetzt durch Playstation, MP-3-Spieler und Laserdrucker. War es einst für viele noch eine Kulthandlung, sich andächtig eine Schallplatte zu kaufen, so erscheint inzwischen selbst die Variante auf CD antiquiert. In Zeiten von illegalen (kostenlosen) Tauschbörsen und legalen (kostenpflichtigen) Internet-Musikdiensten wird über kurz über lang auch das Gesamtkunstwerk „Album“ als Einheit von Liedersammlung und kunstvoll gestalteter Plattenhülle samt Lektüre verschwinden. Einen Unterschied zwischen Fernseher und Computer wird es zudem auch nicht mehr geben – genauso wie Geschirrspüler, Waschmaschine und Mikrowelle schon in naher Zukunft unter dem Oberbegriff Haushalts-Computerperipherie tituliert werden dürften. Längst hat die elektronische Einspritzanlage den Vergasermotor ersetzt, und auch via Gaspedal, Bremse oder im Falle einer „Drive by Wire“-Lenkung hängt unser Leben von den Ingenieurskünsten einiger weniger ab, die aus schnödem Sand Silizium gewinnen. Gelder, Sparkonten und Aktien existieren vornehmlich als Elektronen in den Netzen unserer Banken. Es läßt sich sogar das Leben auf die zwei digitalen Zustände reduzieren: An oder Aus, fundamentalisiert Euer EROL STERN

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