Anti-Werbung

Zur Zeit laufen ein paar bemerkenswerte Werbefilme: Da ist die Seat-Werbung, die den Zuschauern suggerieren will, innovativ zu sein, wenn sie spanische Autos fahren. „An alle, die schon immer wußten, daß ein kleines Stück Stoff Karriere macht“, lautet der Spruch zum angeblich besonders fortschrittlichen Fahrzeug (gemeint ist der Minirock, den es schon seit Jahrzehnten gibt). Irgendwann kam folgende Sequenz dazu: „An alle, die schon immer wußten, daß es auch andere Formen von Liebe gibt.“ Dazu wird ein lesbisches Pärchen gezeigt: Darauf hat die Welt gewartet. Anders die Werbung für den Opel Tigra. Wir sehen einen Mann, der in einem Imbiß Ketchup und Mayonnaise auf dem Tisch auskippt. Dann uriniert er in einer Toilette auf andere Menschen, weil er sich so über sein Auto freut. Was will uns Opel damit sagen? Sollen wir uns mit dem identifizieren? Will Opel weg vom Familienkutschen-Image? Am schönsten aber ist es, wenn zwei harmlose Spots hintereinander laufen, die zusammen gesendet Sarkasmus pur sind. So lief auf Sat.1 neulich erst die Nutella-Werbung, dann die von Nescafé. Die Nougatcreme hat als Werbeträger die männliche Fußballnationalmannschaft, deren miese Leistungen in Portugal noch jeder im Gedächtnis hat. Bei Nescafé lästern Nia Künzer und Steffie Jones, zwei Stars der Frauen-Nationalmannschaft, über die Schwächen der männlichen Mannschaft. „Die trinken bestimmt noch Filterkaffee“, sagt Jones. Will Sat.1 da-mit seinen Zuschauern sagen, daß Nutellamampfen genauso doof ist wie unsere Kicker?

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