Abschied vom Abendland?

Natürlich ist es kein Zufall, daß die Ausstellung „Türkiye“ im Brüsseler Musée des Beaux Arts just am 6. Oktober ihre Pforten öffnete. Am selben Tag legte Erweiterungskommissar Günter Verheugen seinen Bericht vor, der die Türken auf ihrem Weg in die EU einen Quantensprung vorwärtsbringt. Recep Tayyip Erdogan, der starke Mann vom Bosporus, kann zufrieden mit sich sein. Ebenso beharrlich wie aggressiv-fordernd hat er den schwachen Europäern seinen Willen aufgedrängt. Alle Hindernisse wurden zur Seite gerückt. „Türkiye“, die Brüsseler Ausstellung, kündet nun von der sanften, weiblichen Seite der Türkei. Kulturgüter aus verschiedenen Jahrhunderten zeigen „Mütter, Göttinnen und Sultans-Frauen“; exotische, verführerische Damen aus osmanischer Zeit, glutäugig und perlengeschmückt, die so ganz anders lächeln konnten als manche gedrückte Kopftuch-Anatolin heute. Den türkischen Frauen kommt eine kaum zu unterschätzende Rolle zu. Während Alteuropa demographisch stagniert und vergreist, bescheren die gebärfreudigen Türkinnen ihrem Land eine anhaltend starke Bevölkerungszunahme. Die Wachstumsrate liegt bei 1,4 Prozent. Jährlich steigt die Zahl der bislang schon 75 Millionen Türken um etwa eine Million, vor allem in den ärmsten und rückständigsten Gebiete Anatoliens. Dies setzt den türkischen Kessel unter gewaltigen demographischen Druck. Die Landwirtschaft, wo noch gut ein Drittel der Türken beschäftigt ist, bietet keine Perspektive. Zu Hunderttausenden strömten anatolische Bauernsöhne daher in die slumartigen Randbezirke der türkischen Großstädte. Nach einem möglichen EU-Beitritt der Türkei gäbe es ein weit attraktiveres Ziel: das Tor nach Europa. Dem alten Kontinent steht möglicherweise der endgültige Abschied vom Abendland bevor. Nach der Vorhersage des Islamforschers Bernhard Lewis wird Europa am Ende des 21. Jahrhunderts weitgehend islamisiert sein. Für eine solche epochale Überlagerung spricht neben der anhaltenden Wanderung aus islamischen Ländern auch die interne demographische Gewichtsverschiebung. Mittlerweile ist „Mohammed“ in Brüssel, der „europäischen Hauptstadt“, der am häufigsten für neugeborene Jungen gewählte Name. Die ethnisch-religiöse Minderheit der Muslime, wenn auch wirtschaftlich wenig produktiv, gewinnt demographisch an Boden. Hierzulande erwartet SPD-Politiker Vural Öger von „unseren geburtenfreudigen Türkinnen“, sie sollten vollenden, wonach die Kämpfer des Sultans einst strebten. Willkommen in der EU?

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